Betriebskonzept des Auftraggebers für Total Technical Services im TFM
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Betriebskonzept des Auftraggebers für Total Technical Services im Technischen Facility Management einer Fabrik
Dieses Betriebskonzept empfiehlt für das Verhandlungsverfahren ein klar gebündeltes, anlagen- und risikobasiertes Total-Technical-Services-Modell mit einem verantwortlichen Generalauftragnehmer, objektbezogen freigegebenen Subunternehmern, einem durchgängigen Service-Desk-Prinzip, einem auftragsgebergeführten CAFM als führendem System sowie einer scharf dokumentierten Delegation einzelner Betreiberpflichten bei fortbestehender Betreiberverantwortung des Auftraggebers. Diese Zielarchitektur entspricht sowohl den hochgeladenen Vorlagen als auch den aktuellen Grundgedanken der Richtlinienreihe VDI 3810 und den FM-Sourcing-Grundsätzen nach ISO 41012.
Die VDI-3810-Systematik ist als Hauptgerüst besonders geeignet, weil sie den sicheren, bestimmungsgemäßen, bedarfsgerechten und nachhaltigen Betrieb gebäudetechnischer Anlagen in den Mittelpunkt stellt und die Themen Betreiberpflichten, Betriebssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit zusammenführt. Die Reihe deckt inzwischen Grundlagen, Trinkwasser, Heizung, RLT, Gebäudeautomation, Aufzüge und Grundstücksentwässerung ab; damit ist sie für ein fabrikbezogenes TFM tragfähig, muss aber um fabrikspezifische Module wie besondere Flächen, BHKW, Außenanlagen, Entsorgung, prozessnahe Medien und Umweltschutz vertraglich ergänzt werden.
Die hochgeladenen Konzepte sind bereits in die richtige Richtung angelegt: Sie priorisieren Betreiberverantwortung, Qualitätsgespräche, Service Desk, Change Request, CAFM-gestützte Dokumentation, A/B/C-Kritikalitäten, First-Line-Services, Shopfloor-Management und eine strukturierte Anhangsorganisation. Für ein verhandlungsfähiges Fabrikkonzept müssen diese Bausteine jedoch auf sämtliche TFM-Gewerke und auf den gesamten Lebenszyklus von Start-up, Regelbetrieb, Projektänderung, Abnahme, Exit und Standortrollout erweitert werden.
Empfohlen wird ein hybrides SLA-System. Es sollte nicht nur TTS/TTR und Termintreue messen, sondern zuerst einen Compliance-Gate für rechtlich und sicherheitskritische Pflichten setzen, dann kritikalitätsbezogene Reaktions- und Wiederherstellungszeiten steuern und schließlich über ausgewählte Outcome-Ziele wie Wiederholstörungen, Datenqualität, Verfügbarkeiten kritischer A-Anlagen, dokumentierte Verbesserungen und Energiekennzahlen einen Bonuspfad eröffnen. Reine Reaktionszeitmodelle sind für Fabriken zu eng; reine Outcome-Modelle sind für den Vertragsvollzug zu interpretationsanfällig.
Da fabrikspezifische technische Detailangaben nicht vorliegen, ist dieses Konzept bewusst generisch und modular formuliert. Es unterscheidet zwischen verpflichtendem Basisscope der TFM-Gebäude- und Infrastrukturgewerke und optionalen Fabrikmodulen, die nur dann in den TTS-Vertrag fallen, wenn sie im Anlagenkataster, in der Schnittstellenbeschreibung und in den Leistungsverzeichnissen ausdrücklich aufgenommen werden. Genau diese Scope-Festschreibung ist im Verhandlungsverfahren erfahrungsgemäß der wichtigste Hebel, um spätere Nachträge, Doppelzuständigkeiten und Haftungslücken zu vermeiden.
Betriebskonzept für Total Technical Services im TFM
- Leitplanken und Annahmen
- Vertragsfähige Kapitelstruktur
- Governance, Betreiberverantwortung und Compliance
- Organisation, Personal und Dienstleistersteuerung
- Technische Leistungsbereiche
- Instandhaltung, Prüfungen und Anlagenbewertung
- Service Desk, Störungsmanagement und Notfallbetrieb
- Change Request, Projektabwicklung und Takeover
- CAFM, GLT, ERP und Dokumentation
- Qualität, Reporting, KPI, SLA, Wertgrenzen, Reifegrad und Innovation
- Arbeitsschutz, Umwelt, Entsorgung und besondere Fabrikflächen
- Steuerungsmodelle und Prozessbilder
- Vergleich von CAFM-Architekturoptionen
- Verantwortlichkeitsmatrix für Kernprozesse
- Kernset für KPI und Reporting
- Empfohlene Anhangsstruktur
- Verhandlungs- und Abnahmechecklisten
Ausgangslage
Wir arbeiten entsprechend einer ambitionierten, VDI-3810-orientierten Betriebsführungslogik mit Fokus auf Betreiberverantwortung, Instandhaltung nach Kritikalitätsklassen, Qualitätsgespräche, Service Desk, Change Request, CAFM-Nutzung und dokumentierter Aufbau- und Ablauforganisation. Gleichzeitig sind sie entweder auf einzelne Gewerke beschränkt oder noch nicht vollständig auf eine Fabrik mit sämtlichen technischen und prozessnahen Infrastrukturen ausgerollt. Dieses Betriebskonzept überführt diese Vorarbeiten in ein umfassendes, verhandlungsfähiges Sollbild für den Auftraggeber.
Für die nachfolgende Struktur gilt die Arbeitsannahme, dass konkrete Angaben zu Produktionsprozessen, Ex-Zonen, Reinraumklassen, prozessnaher Kälte, Druckluft, Prozessabluft, Vakuum, Gefahrstofflagern, Medieninseln, Labor- oder Sonderversorgungen nicht abschließend spezifiziert sind. Deshalb ist jede technische Anforderung modular formuliert: verpflichtend ist das Basisset aller TFM-Gewerke; optionale Fabrikmodule werden erst durch Anlagenkataster, Kritikalitätsmatrix, besondere Flächenmatrix und Vertragsanlagen verbindlich. Diese Annahme ist sachgerecht, weil sowohl die hochgeladenen Unterlagen als auch ISO- und FM-Sourcing-Leitlinien eine klare, dokumentierte Scope-Festlegung vor Vertragsabschluss verlangen.
Normative und rechtliche Basis
Normativer Anker ist die Richtlinienreihe des VDI Verein Deutscher Ingenieure; Begriffssystem und Instandhaltungsdokumente knüpfen an Normen des DIN Deutsches Institut für Normung an. Für FM-Sourcing und Vertragsgestaltung sind ergänzend die Branchenleitfäden von GEFMA und die Management- und Sourcingstandards der ISO relevant; Arbeitskarten und Wartungsprogramme folgen häufig den Einheitsblättern des VDMA, elektrotechnische Prüfungen den Publikationen der DGUV.
Für das Betriebskonzept sind insbesondere heranzuziehen: VDI-MT 3810 Blatt 1 als Grundlagenrahmen; VDI 3810 Blatt 2 in Verbindung mit VDI 6023 Blatt 3 für Trinkwasser; VDI 3810 Blatt 3 für Heiztechnik; VDI 3810 Blatt 4 für RLT; VDI/GEFMA 3810 Blatt 5 für Gebäudeautomation; VDI 3810 Blatt 6 für Aufzüge; VDI 3810 Blatt 7 für Grundstücksentwässerung; VDI 3819 für brandschutzbezogene Gebäudetechnik; VDI 6022 für RLT-Hygiene; VDI 6026 für Dokumentation; VDI 6039 für Inbetriebnahme- und Übergabemanagement; VDI 2050 für Technikzentralen; VDI 2067 für Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen.
Rechtlich prägen vor allem das Arbeitsschutzgesetz mit Gefährdungsbeurteilung, Dokumentation, Aufgabenübertragung und Unterweisung, die Arbeitsstättenverordnung, die Betriebssicherheitsverordnung mit Anforderungen an Instandhaltung und an überwachungsbedürftige Anlagen, das Gebäudeenergiegesetz mit Pflichten zur energetischen Inspektion, die Trinkwasserverordnung, die 42. BImSchV für Verdunstungskühlanlagen, das Kreislaufwirtschaftsgesetz und die Nachweisverordnung, die AwSV für wassergefährdende Stoffe, die Chemikalien-Klimaschutzverordnung sowie die neue EU-F-Gase-Verordnung. Für die Delegation von Pflichten und die Organisation der Aufsicht ist § 130 OWiG besonders relevant.
Vertragsprinzipien
Das Betriebskonzept sollte vertraglich von sieben Leitprinzipien ausgehen. Erstens: ein eindeutiger Anlagen- und Flächenscope je Asset, Raum, Gebäude und Außenfläche. Zweitens: Betreiberverantwortung verbleibt beim Auftraggeber; delegiert werden nur Aufgaben und Teilpflichten, schriftlich, fachkundig, kontrollierbar und mit Annahme des Delegationsempfängers. Drittens: ein verantwortlicher Generalauftragnehmer bildet die operative Klammer für alle TFM-Gewerke. Viertens: das führende CAFM und die Stammdatenhoheit liegen beim Auftraggeber. Fünftens: gesetzliche Prüfungen, Mängelverfolgung, Dokumentation und Reporting sind nicht Nebenpflichten, sondern Kernleistung. Sechstens: kritische Produktions- und Sicherheitsbereiche erhalten eigene Servicelevel. Siebtens: jede Änderung mit Einfluss auf Scope, Datenmodell, Betriebsweise oder Wartungsregime läuft zwingend über ein formales Change-Request-Verfahren.
Verbindliche Kapitelvorlage
Für das Verhandlungsverfahren sollte jedes Kapitel des Betriebskonzepts und jeder gewerkespezifische Anhang in derselben festen Reihenfolge aufgebaut werden: Zielsetzung, Leistungsumfang, Prozesse/Workflows, Rollen & Verantwortlichkeiten, Schnittstellen, benötigte Anlagen/Dokumente/Anhänge, KPIs & Reporting, SLA-Vorschläge, Risikoanalyse & Maßnahmen, Kosten-/Budget-Hinweise, Übergabe- und Abnahmebedingungen, Compliance/Normen und Verhandlungs-Checkliste. Diese Standardisierung ist vergabe- und verhandlungspraktisch sinnvoll, weil strukturierte Konzepte, standardisierte Leistungsbeschreibungen und klar trennbare Zuschlagskriterien nach FM-Branchenleitlinien die Vergleichbarkeit von Angeboten erhöhen.
Geltungsbereich und Leistungsgrenzen
Zielsetzung. Der Vertrag soll den vollständigen, eindeutigen und anlagenbezogenen Leistungsumfang des Total Technical Service für die Fabrik festlegen.
Leistungsumfang. Erfasst werden sämtliche im Anlagenkataster freigegebenen technischen Anlagen, Außenanlagen, besonderen Flächen und prozessnahen Infrastrukturen der Fabrik, einschließlich Betreiben, Bedienen, Inspizieren, Warten, Instandsetzen, Verbessern, Störungsbeseitigen, Prüfen, Dokumentieren, Energiemonitoring und Berichtswesen. Nicht umfasst sind nur ausdrücklich ausgeschlossene Produktionsmaschinen oder Services.
Prozesse/Workflows. 1) Bestandsaufnahme je Gebäude/Fläche/Asset; 2) Zuordnung zu Gewerk, Kritikalität und Leistungsgrenze; 3) Festlegung Regelleistung, Abrufleistung, Projektleistung und gesetzlicher Prüfleistung; 4) jährliche Scope-Validierung; 5) Nachführung über Change Request.
Rollen & Verantwortlichkeiten. Der Auftraggeber definiert Nutzung, Zielbild, Ausnahmen und Freigaben; der Auftragnehmer übernimmt die operative Gesamtleistung für alle freigegebenen Assets; Subunternehmer leisten nur im Auftrag des Auftragnehmers.
Schnittstellen. Produktion, HSE, IT, Security, Werkfeuerwehr/Feuerwehr, Einkauf, externe Prüfer, Medienversorger, Behörden, Vermieter/Mieter, OEM-Hersteller.
Benötigte Anlagen/Dokumente/Anhänge. Scope-Matrix, Gebäude- und Lagepläne, Anlagenkataster, besondere Flächenmatrix, Übergabepunkteliste, Ausschlussliste, Raum- und Nutzungsbuch.
KPIs & Reporting. Vollständigkeit des Anlagenkatasters, Quote scope-geklärter Assets, Anzahl ungeklärter Schnittstellen, Anzahl Liefer-/Leistungslücken, monatlicher Scope-Abweichungsbericht.
SLA-Vorschläge. 100 % Scope-Klärung aller A-Anlagen vor Regelbetriebsstart; 100 % dokumentierte Leistungsgrenzen in besonderen Flächen; Nachführung jeder Scope-Änderung innerhalb weniger Arbeitstage nach Freigabe.
Risikoanalyse & Maßnahmen. Hauptrisiken sind verdeckte Assets, doppelte Zuständigkeiten, unklare Produktionsschnittstellen und vermeintlich „mitgeschuldete“ Leistungen; Gegenmaßnahme ist eine assetgenaue Scope-Freigabe mit digitaler Signatur und jährlichem Scope-Review.
Kosten-/Budget-Hinweise. Regelleistungen pauschal, korrektive Leistungen und Projekte getrennt; besondere Flächen und prozessnahe Medien als separate Preisblätter; gesetzliche Prüfungen transparent ausweisen.
Übergabe- und Abnahmebedingungen. Der Regelbetrieb beginnt erst nach unterschriebener Scope-Matrix, vollständig importiertem Anlagenkataster und geklärten Übergabepunkten.
Compliance/Normen. VDI-MT 3810 Blatt 1, ISO 41012, Dokumentations- und Schnittstellenanforderungen nach VDI 6026/6039.
Verhandlungs-Checkliste. Welche Assets sind explizit im Scope, welche nicht; wo enden TFM-Leistungen an Produktionsschnittstellen; welche Außenanlagen und Sonderanlagen werden mitübernommen; wer trägt Ersatzteil- und Energieverbräuche; wie werden standortübergreifende Assets behandelt.
Governance, Betreiberverantwortung und Compliance
Zielsetzung. Das Kapitel soll eine rechtsfeste Wahrnehmung der Betreiberpflichten bei zugleich klar delegierten operativen Aufgaben sicherstellen.
Leistungsumfang. Es umfasst Pflichtenmanagement, Rechts- und Regelwerksverfolgung, Pflichtenübertragung, Qualifikations- und Unterweisungsnachweise, Prüfpflichtensteuerung, Auditierung, Nachweisführung und Eskalation bei Abweichungen.
Prozesse/Workflows. 1) Identifikation aller einschlägigen Pflichten; 2) Zuordnung zu verantwortlichen Rollen; 3) Unterweisung und Dokumentation; 4) Terminsteuerung; 5) Nachweis im CAFM/Compliance-System; 6) Audit und Management-Review; 7) Soforteskalation bei kritischer Abweichung.
Rollen & Verantwortlichkeiten. Der Auftraggeber bleibt Betreiber und kontrolliert; der Auftragnehmer übernimmt vertraglich definierte Betreiberpflichten und Nachweisführung; Subunternehmer erfüllen nur fachliche Teilleistungen und bleiben dem Auftragnehmer voll nachgeordnet.
Schnittstellen. Recht, HSE, HR, Security, Versicherer, Aufsichtsbehörden, Prüfsachverständige, Labor- und Hygieneprüfer.
Benötigte Anlagen/Dokumente/Anhänge. Rechtskataster, Pflichtenmatrix, Delegationsdokumente, Unterweisungsnachweise, Auditpläne, Prüffristenbuch, Eskalationsmatrix.
KPIs & Reporting. Termintreue gesetzlicher Pflichten, Anzahl kritischer Auditfeststellungen, Quote abgeschlossener Unterweisungen, fristgerechte Mängelbeseitigung aus Prüfungen, offene Compliance-Risiken.
SLA-Vorschläge. Keine überfälligen gesetzlichen Pflichttermine; unverzügliche Eskalation sicherheits- und compliancekritischer Abweichungen; Bonus-Sperre bei ungeklärten kritischen Feststellungen.
Risikoanalyse & Maßnahmen. Kernrisiken sind unwirksame Delegation, unzureichende Fachkunde, unvollständige Regelwerksverfolgung und Subunternehmer-Blindspots; Gegenmaßnahmen sind schriftliche Delegation, fachliche Mindestanforderungen, Auditrecht und Leserechte des Auftraggebers im Compliance-System.
Kosten-/Budget-Hinweise. Eigene Budgets für Compliance-Software, externe Audits, Pflichtschulungen, Rechtsmonitoring und Sachverständige vorsehen.
Übergabe- und Abnahmebedingungen. Pflichtenübertragungen werden erst mit dokumentierter Einweisung, Systemzugang und vollständigem Pflichtenregister wirksam.
Compliance/Normen. § 130 OWiG, ArbSchG §§ 5, 6, 7, 12, 13, BetrSichV, VDI-MT 3810, ergänzende FM-Leitlinien zur Betreiberverantwortung.
Verhandlungs-Checkliste. Welche Pflichten bleiben zwingend beim Auftraggeber; welche Pflichten werden delegiert; welche Nachweise sind wann zu liefern; welche Audit- und Weisungsrechte behält sich der Auftraggeber vor; wie werden Pflichtverstöße sanktioniert.
Organisation, Personal und Dienstleistersteuerung
Zielsetzung. Das Kapitel soll eine belastbare personelle, organisatorische und führungsseitige Aufstellung für den Fabrikbetrieb herstellen.
Leistungsumfang. Erfasst werden Organigramm, Schlüsselrollen, Schicht- und Rufbereitschaft, Qualifikationsmatrix, Vertretungsregelungen, Sprach- und Fremdfirmenfähigkeit, Personalentwicklung, Shopfloor-Management, Subunternehmerführung und Kapazitätssteuerung.
Prozesse/Workflows. 1) Rollenfestlegung; 2) Eignungsprüfung und Benennung von Schlüsselpersonen; 3) Objekt- und Sicherheitsunterweisung; 4) tägliches Shopfloor/Weekly Governance/Monthly Review; 5) jährliche Qualifikations- und Ressourcenneubewertung.
Rollen & Verantwortlichkeiten. Der Auftraggeber genehmigt Schlüsselrollen und Eskalationswege; der Auftragnehmer stellt Objektleitung, Fachkoordinatoren, Disposition und 24/7-Fähigkeit; Subunternehmer werden nur nach Freigabe, Qualifikationsprüfung und dokumentierter Einbindung eingesetzt.
Schnittstellen. Arbeitssicherheit, Betriebsrat soweit relevant, Security, Werkschutz, Einkauf, Produktionsverantwortliche, IT-Administration, externe Personaldienstleister.
Benötigte Anlagen/Dokumente/Anhänge. Organigramm AG/AN, Stellvertretungsmatrix, Rufbereitschaftsplan, Kompetenzmatrix, Schulungsplan, Nachunternehmerliste, Anwesenheits- und Einsatzkonzept.
KPIs & Reporting. Besetzungsgrad Schlüsselrollen, Schulungsquote, Substitutionsfähigkeit, Fluktuation auf Schlüsselpositionen, Teilnahmequoten an Shopfloor- und Qualitätsgesprächen, termingerechte Besetzung von Rufbereitschaften.
SLA-Vorschläge. Schlüsselrolle ohne Freigabenachfolger höchstens kurzfristig vakant; Fachkunde- und Sicherheitsunterweisung 100 % vor Einsatz; Eskalation bei Unterdeckung.
Risikoanalyse & Maßnahmen. Personalausfälle, Einzelpersonenabhängigkeit, fehlende Gewerketiefe und inadäquate Subunternehmerführung; Gegenmaßnahmen sind Doppelbesetzung kritischer Funktionen, Benennungspflicht, Austauschsperrfristen für Schlüsselpersonen und strukturierte Personalentwicklung.
Kosten-/Budget-Hinweise. Management-, Leitungs-, On-call-, Schulungs- und Subunternehmersteuerungsleistungen getrennt kalkulieren; keine verdeckte Mischkalkulation zulassen.
Übergabe- und Abnahmebedingungen. Start-up nur mit benannten Schlüsselpersonen, Qualifikationsnachweisen, Rufbereitschaftstest und freigegebener Vertretungsmatrix.
Compliance/Normen. VDI-MT 3810, VDI 6022/6023 für Qualifikationsanforderungen in Hygienegewerken, ISO 41001 für wirksame FM-Unterstützung der Bedarfsorganisation.
Verhandlungs-Checkliste. Welche Rollen sind key personnel; welche Austauschrechte hat der Auftraggeber; welche Mindestqualifikationen gelten je Gewerk; wie werden Subunternehmer freigegeben; wie wird die 24/7-Fähigkeit nachgewiesen.
Technische Leistungsbereiche
Zielsetzung. Das Kapitel soll alle für eine Fabrik typischen TFM-Gewerke, Anlagengruppen und Sondermodule in einem einheitlichen Leistungsregime zusammenführen.
Leistungsumfang. Zum Basisscope gehören Gebäudetechnik, elektrische Anlagen, Mittel- und Niederspannung, USV/NEA, MSR/GLT/Gebäudeautomation, Heizung, Klima, Lüftung, Kälte, Sanitär, Trinkwasser, Entwässerung, Aufzüge, Tore und fördertechnische Gebäudeinfrastrukturen, technischer Brandschutz, BHKW, Fettabscheider, Außenanlagen, Abfall-/Entsorgungsinfrastruktur, Energie- und Verbrauchsmanagement sowie besondere Flächen. Optionale Fabrikmodule sind Druckluft, Prozesskälte, Prozessabluft, Gas-, Vakuum- oder Medieninseln, Krane/Hebezeuge, Laderampen, Sonderlager, Serverräume, Labor- oder Reinraumbereiche und emissionsrelevante Sonderanlagen.
Prozesse/Workflows. 1) Gewerkeliste mit Anlagengruppen und KGR ableiten; 2) je Gewerk A/B/C-Kritikalität und Sonderrisiken bewerten; 3) Prüf-, Wartungs- und Bedienprogramme hinterlegen; 4) Ersatzteil- und Bereitschaftskonzept bestimmen; 5) Sonderbereiche mit eigenem Servicelevel versehen.
Rollen & Verantwortlichkeiten. Der Auftraggeber definiert Nutzungs- und Produktionsanforderungen; der Auftragnehmer steuert alle Gewerke, bündelt OEM- und Spezialfirmen und hält die Gesamtverantwortung für Koordination; Subunternehmer liefern gewerkespezifische Fachleistungen.
Schnittstellen. Produktion, HSE, Labor/Hygiene, Energieversorgung, Werkschutz, Brandschutzbeauftragte, externe Prüfer, Entsorger, Wasser-/Abwasser- und Medienversorger.
Benötigte Anlagen/Dokumente/Anhänge. Gewerkelisten, Prüf- und Wartungspläne, Bestandspläne, Schalt- und Regelschemata, Betriebsanweisungen, Herstellerunterlagen, Sonderflächenmatrix, BHKW- und Fettabscheiderdokumentation.
Die folgende Verdichtung zeigt, welche Gewerkeblöcke im Fabrikvertrag zwingend separat beschrieben werden sollten; sie basiert auf VDI 3810, den Hygiene- und Dokumentationsrichtlinien, den gesetzlichen Anforderungen zu Sicherheit, Umwelt und Wasser s
| Gewerkeblock | Mindestinhalt im Vertrag | Fabrikspezifische Risiken | Zentrale Norm-/Rechts-Trigger |
|---|---|---|---|
| Elektrotechnik | MS/NS, Schaltanlagen, USV/NEA, Beleuchtung, Sicherheitstechnik, passive Datennetze | Produktionsstillstand, Personengefährdung, Spannungsqualität | BetrSichV, DGUV Vorschrift 3 |
| MSR/GLT/Gebäudeautomation | DDC/AS, Datenpunkte, Alarmierung, Trendlogs, Regelstrategien, Backup/Restore | Alarmfluten, Fehlregelung, Energieverluste, Datenverlust | VDI/GEFMA 3810 Blatt 5, VDI 6026 |
| Heizung/Klima/Lüftung | Kessel/Fernwärme, RLT, Luftschleier, Entrauchung, Filter, Einregulierung | Behaglichkeits- und Produktionsabweichungen, Hygiene, Energieverluste | VDI 3810 Blatt 3 und 4, VDI 6022, GEG |
| Kälte | Kälteerzeugung, Kaltwasser, Direktverdampfung, Rückkühlung, Leckagemanagement | Prozessunterbrechung, Legionellen-/Emissionsrisiken, Kältemittelrecht | 42. BImSchV, ChemKlimaschutzV, EU 2024/573 |
| Sanitär/Trinkwasser/Entwässerung | Trinkwasser, Warmwasser, Abwasser, Hebeanlagen, Regenwasser, Fettabscheider | Hygiene, Legionellen, Rückstau, Überflutung | VDI 3810 Blatt 2, VDI 6023, TrinkwV, VDI 3810 Blatt 7 |
| Aufzüge/Förderinfrastruktur | Personen-/Lastenaufzüge, Tore, fest zugeordnete Hebeanlagen soweit vereinbart | Personenrettung, Produktionslogistik, Prüfpflichten | BetrSichV, ÜAnlG, VDI 3810 Blatt 6 |
| Brandschutz | BMA, RWA, Sprinkler/Steigleitungen/Wandhydranten soweit vereinbart, FSA, Klappen, organisatorischer Brandschutz | Personenschutz, Betriebsunterbrechung, Auflagenrisiken | VDI 3819, Baurecht, Betreiberpflichten |
| Energie/BHKW | Messkonzept, Zähler, Lastprofile, BHKW-Betriebsstrategie, Effizienzmaßnahmen | Mehrverbräuche, Emissionen, Verfügbarkeitskonflikte | VDI 2067, ISO 50001, GEG |
| Außenanlagen/Besondere Flächen | Technisch relevante Außenanlagen, Dach-/Entwässerungsbereiche, Server-/Labor-/Produktionszonen | Witterung, Zugang, Sonderkonditionen, Reinheit | VDI 2050, VDI 6026, objektspezifische Auflagen |
| Abfall/Entsorgung/Umwelt | Entsorgungslogistik, Nachweisführung, wassergefährdende Stoffe, Leckage- und Havarieprozesse | Rechtsverstöße, Umweltschäden, Genehmigungsrisiken | KrWG, NachwV, AwSV, BImSchG |
KPIs & Reporting. Anlagenverfügbarkeit je Kritikalität, Termintreue je Gewerk, Energie- und Medienkennzahlen, Störungshäufigkeiten, Hygiene- und Prüfstatus, Wiederholstörungen, ungeplante Stillstände.
SLA-Vorschläge. Eigene SLAs für A-Anlagen, besondere Flächen und sicherheitskritische Gewerke; Mindestverfügbarkeiten nur für klar messbare kritische Assets; gesetzliche Prüf- und Hygieneleistungen als Gate-Leistungen ohne Toleranzkorridor.
Risikoanalyse & Maßnahmen. Die größten Risiken liegen in technisch unterschiedlichen Servicelevels über alle Gewerke, OEM-Abhängigkeiten, fehlenden Ersatzteilen und unzureichend beschriebenen Sonderbereichen; dagegen helfen A/B/C-Kritikalität, Sonderflächenblätter, Reserveteilstrategie und OEM-/Spezialistennetzwerke.
Kosten-/Budget-Hinweise. Energetisch und hygienisch sensible Gewerke separat ausweisen; OEM-Leistungen, Prüfsachverständige, Ersatzteilbevorratung, Laboranalysen und Rückkühlwasseruntersuchungen nie in Pauschalen verstecken.
Übergabe- und Abnahmebedingungen. Gewerkebeginn nur nach Vollständigkeit der technischen Dokumentation, Funktions- und Sicherheitsnachweise, Anlagenkennzeichnung und firmierter Übergabe offener Mängel.
Compliance/Normen. Je Gewerk entsprechend der Tabelle; zusätzlich Herstellerangaben und objektspezifische bau- und genehmigungsrechtliche Auflagen.
Verhandlungs-Checkliste. Welche Sonderanlagen sind im TTS enthalten; welche OEM-Vorgaben sind bindend; für welche Assets gelten 24/7-Services; wo bestehen Hygiene-, Emissions- oder Umweltpflichten; wie werden besondere Flächen vertraglich prioritisiert.
Instandhaltung, Prüfungen und Anlagenbewertung
Zielsetzung. Das Kapitel soll eine risikoorientierte, nachweisbare und wirtschaftliche Instandhaltung über den gesamten Anlagenbestand sicherstellen.
Leistungsumfang. Es umfasst Inspektion, Wartung, Instandsetzung, Verbesserung, wiederkehrende Prüfungen, Zustandsbewertung, Ersatzteilmanagement, Backlog-Management, Kleininstandsetzungen, Kapitalbedarfsableitung und Fünfjahres-Forecast.
Prozesse/Workflows. 1) Anlagenbewertung und Kritikalitätsklassifizierung; 2) Ableitung Prüf- und Wartungsregime; 3) jährliche PM-Planung; 4) Abarbeitung inklusive Kleininstandsetzungen; 5) Zustands- und Abweichungsrückmeldung; 6) Maßnahmenplanung für größere Instandsetzungen und Verbesserungen.
Rollen & Verantwortlichkeiten. Der Auftraggeber genehmigt Strategie, Kritikalität, Wertgrenzen und investive Maßnahmen; der Auftragnehmer plant, disponiert, dokumentiert und koordiniert; Subunternehmer führen fachliche Maßnahmen durch.
Schnittstellen. Produktion für Betriebsfenster, Einkauf für Ersatzteile, HSE für Freigaben, Wirtschaft/Controlling für Maßnahmenplanung, externe Prüfer.
Benötigte Anlagen/Dokumente/Anhänge. Instandhaltungsstrategie, Jahreswartungsplan, Prüfmatrix, Arbeitskarten, Ersatzteillisten, Zustandsberichte, Backlog-Berichte, Maßnahmenkataloge, Anlagenbuch.
KPIs & Reporting. PM-Erfüllungsgrad, Prüf-Fälligkeiten, Backlog-Volumen und -Alterung, Mean Time To Service, Mean Time To Repair, First-Time-Fix, Wiederholstörungen, Anteil zustandsorientierter Maßnahmen, Forecast-Genauigkeit.
SLA-Vorschläge. Kritikalitätsbezogene Reaktions- und Wiederherstellungszeiten; A-Anlagen mit sofortigem Einsatz und kurzer Wiederherstellung bzw. technisch abgesichertem Ersatzbetrieb; B-Anlagen mit priorisierter präventiver Instandhaltung; C-Anlagen überwiegend reaktiv oder gebündelt.
Risikoanalyse & Maßnahmen. Scheinprävention ohne Zustandsbezug, Prüflücken, überalterte Assets, unklare Freigaben und fehlende Spares; Gegenmaßnahmen sind Zustandsbewertung, A/B/C-Klassen, Mindestbevorratung kritischer Komponenten, stringentes Backlog-Management und Fünfjahresplanung.
Kosten-/Budget-Hinweise. Regelleistungen, Kleinreparaturen, Ersatzteile, Prüfkosten, Sonderfreigaben und Projekte getrennt ausweisen; Wertgrenzen nur als Freigabebänder, nicht als Ersatz für fachliche Priorisierung.
Übergabe- und Abnahmebedingungen. Jede Leistung ist erst abgenommen, wenn Protokoll, Materialnachweis, Mangelstatus und nächste Fälligkeit im System stehen.
Compliance/Normen. DIN 31051, DIN EN 13306, DIN EN 13460, BetrSichV, GEG, VDMA 24186, gewerkespezifische VDI-Blätter.
Verhandlungs-Checkliste. Wie werden A/B/C-Klassen definiert; welche Prüfungen sind Regelleistung; welche Ersatzteile sind vorzuhalten; wie werden Zustandsbewertungen bewertet und in Budgets übersetzt; welche Wertgrenzen gelten je Kritikalität und Freigabeebene.
Service Desk, Störungsmanagement und Notfallbetrieb
Zielsetzung. Das Kapitel soll eine einzige, nachvollziehbare und 24/7-fähige Eingangsstelle für Störungen, Serviceanfragen und technische Notfälle schaffen.
Leistungsumfang. Es umfasst Multikanal-Ticketannahme, automatische GLT-Alarmübernahme, Priorisierung, Disposition, Kundenkommunikation, Major-Incident-Steuerung, First-Line-Service, Rufbereitschaft, Kommunikationsprotokolle und Abschluss mit Ursachenanalyse.
Prozesse/Workflows. 1) Eingang über Nutzer, GLT, Rundgang oder Sensorik; 2) Ticketanlage; 3) Sicherheits- und Produktionsbewertung; 4) Sofortmaßnahme/Dispatch; 5) Wiederherstellung oder Ersatzbetrieb; 6) RCA bei kritischen oder wiederholten Störungen; 7) Abschluss und Trendanalyse.
Rollen & Verantwortlichkeiten. Der Auftraggeber legt Priorisierungsregeln, Kommunikationspflichten und Eskalationsstufen fest; der Auftragnehmer betreibt den Service Desk bzw. integriert sich in ein AG-Modell und stellt alle technischen Reaktionsketten; Subunternehmer wirken nur über den Auftragnehmer.
Schnittstellen. Nutzer, Produktion, Security, HSE, IT, Rufbereitschaften, OEMs, Werkfeuerwehr/Feuerwehr, externe Medienversorger.
Benötigte Anlagen/Dokumente/Anhänge. Ticketvorlage, Eskalationsmatrix, Alarmplan, Kontaktbaum, Major-Incident-Formblatt, Bereitschaftspläne, Kommunikationsleitfaden.
KPIs & Reporting. TTS, TTR, Ticketalter, Wiedereröffnungsquote, First-Time-Fix, Kommunikationspünktlichkeit, Anzahl Schattenmeldungen, Anzahl GLT-Alarmduplikate, Major-Incident-Review-Quote.
SLA-Vorschläge. Kritikalitäts- und betriebsfensterbezogene TTS/TTR; Notfälle mit sofortiger Sicherungsmaßnahme; Produktionskritikalität und Personengefährdung höher gewichten als Komfortstörungen; keine „erledigt“-Meldung ohne belastbare Wiederherstellung oder freigegebenen Ersatzbetrieb.
Risikoanalyse & Maßnahmen. Schattenkommunikation, fehlende Ticketdisziplin, Alarmfluten, falsche Priorisierung und Informationsverluste; Gegenmaßnahmen sind „Kein Ticket, kein Auftrag“ mit Notfallausnahme, automatisierte Alarmkonsolidierung, definierte Priorisierungslogik und RCA-Pflicht.
Kosten-/Budget-Hinweise. Service Desk, Bereitschaft, Vor-Ort-Response, First-Line-Service und Major-Incident-Steuerung getrennt kalkulieren.
Übergabe- und Abnahmebedingungen. Der Regelbetrieb beginnt erst nach End-to-End-Test der Meldekanäle, GLT-Aufschaltung, Eskalationsketten und SMS/Telefon/Portal-Funktion.
Compliance/Normen. VDI 3810-Grundsätze, BetrSichV bei Störungen sicherheitsrelevanter Anlagen, objektspezifische Alarm- und Notfallorganisation.
Verhandlungs-Checkliste. Welche Kanäle gelten verbindlich; wer priorisiert bei Konflikt zwischen Komfort und Produktion; welche Meldepflichten gelten bei Gefahr in Verzug; wie wird der Ersatzbetrieb dokumentiert; wie werden Major Incidents ausgewertet.
Change Request, Projektabwicklung und Takeover
Zielsetzung. Das Kapitel soll sicherstellen, dass jede technische Änderung, jede Projektmaßnahme und jede Übergabe in den Regelbetrieb kontrolliert, dokumentiert und vertragswirksam verarbeitet wird.
Leistungsumfang. Enthalten sind Change Request, technische und kaufmännische Vorprüfung, Auswirkungsanalyse auf SLA, Scope, Energie, Hygiene, Sicherheit und Datenmodell, Planung, Umsetzung, Probebetrieb, Abnahme, Dokumentenfortschreibung, Schulung, Takeover weiterer Standorte und Exit/Retender-Unterstützung.
Prozesse/Workflows. 1) CR-Eingang; 2) Impact Assessment; 3) Freigabe von Budget, HSE, Produktion und IT; 4) Ausführung mit Permit-to-Work; 5) Inbetriebnahme, Funktions- und Sicherheitsnachweis; 6) Übernahme in Kataster, Wartungspläne und SLA; 7) Übergabe an Regelbetrieb; 8) Lessons Learned.
Rollen & Verantwortlichkeiten. Der Auftraggeber entscheidet über Bedarf, Budget und Freigabe; der Auftragnehmer erstellt fachliche, terminliche und kostenseitige Vorlagen und verantwortet die Rückführung in den Regelbetrieb; Subunternehmer liefern Fachplanung oder Ausführung.
Schnittstellen. Einkauf, Recht, HSE, IT, Produktion, OEMs, Fachplaner, Prüfsachverständige, Bau- und Ausführungsfirmen.
Benötigte Anlagen/Dokumente/Anhänge. CR-Formular, Impact-Assessment, Projektsteckbrief, Arbeitsfreigaben, Abnahmeprotokolle, Dokumentenliste nach VDI 6026, Start-up-/Takeover-Checklisten.
KPIs & Reporting. CR-Durchlaufzeit, Design-/Kostenabweichungen, Dokumentationsvollständigkeit bei Abnahme, Anzahl Rückläufer aus dem Probebetrieb, Anzahl ungeplanter Folgeänderungen, Termintreue der Regelbetriebsübernahme.
SLA-Vorschläge. Reaktionsfrist auf CR-Anfragen, Frist für belastbare Vorprüfung, Dokumentationspflicht vor kaufmännischer Endabnahme, keine Übernahme in Regelbetrieb ohne aktualisierte Stammdaten und Wartungsregime.
Risikoanalyse & Maßnahmen. Größte Risiken sind „stille“ Umbauten, unvollständige Revisionsunterlagen, fehlende Nutzerunterweisung und nicht nachgeführte Wartungspläne; Gegenmaßnahmen sind formales CR, VDI-6039-orientierte Übergabe und vollständige Dokumenten-Checklisten.
Kosten-/Budget-Hinweise. Regie- und Einheitsleistungspreise für Kleinänderungen; Projektbudgets getrennt; Dokumentations- und Inbetriebnahmeleistungen niemals als Nebenleistung behandeln.
Übergabe- und Abnahmebedingungen. Technische, sicherheitliche und dokumentarische Abnahme sind kumulativ; offene Restpunkte nur mit terminierter Mängelliste und klarer Risikofreigabe.
Compliance/Normen. VDI 6039, VDI 6026, ISO 41012, objektspezifische Freigabe- und Sicherheitsregeln.
Verhandlungs-Checkliste. Welche Änderungen sind CR-pflichtig; wer darf freigeben; wie werden Auswirkungen auf SLA und Vergütung abgebildet; wann gilt eine Maßnahme als regelbetriebsfähig; welche Exit-Unterstützung ist am Vertragsende geschuldet.
CAFM, GLT, ERP und Dokumentation
Zielsetzung. Das Kapitel soll Datenhoheit, Prozessdurchgängigkeit und revisionssichere Dokumentation des gesamten TFM sicherstellen.
Leistungsumfang. Dazu gehören Stammdatenführung, Asset- und Vertragsdaten, Tickets, Wartungs- und Prüfplanung, mobile Rückmeldungen, Dokumentenmanagement, Reporting-Cockpits, Schnittstellen zu GLT und ERP, Datenqualitätssicherung, Berechtigungen, Archivierung, Backup/Restore und Exit-Datenübergabe.
Prozesse/Workflows. 1) Assetstrukturen und Attribute definieren; 2) Bestandsdaten importieren; 3) Tickets/Arbeitsaufträge automatisch und manuell erzeugen; 4) Leistungen mobil rückmelden; 5) Dokumente klassifizieren und versionieren; 6) Kosten und Status an ERP übergeben; 7) Datenqualität monatlich auditieren.
Rollen & Verantwortlichkeiten. Der Auftraggeber führt das Ziel-Datenmodell, die Stammdaten- und Rechtehoheit; der Auftragnehmer pflegt Bewegungsdaten, technische Inhalte und Rückmeldungen; Subunternehmer liefern nur über freigegebene Workflows.
Schnittstellen. GLT/Gebäudeautomation, ERP, DMS, mobile Apps, Compliance-System, Energiemonitoring, Labor- und Prüferportale, Security-Systeme.
Benötigte Anlagen/Dokumente/Anhänge. Datenmodell, Attributkatalog, Rollen- und Berechtigungskonzept, Schnittstellenkonzept, Naming Convention, Dokumentenklassifikation, Datenqualitätsregeln, Exit-Exportdefinition.
KPIs & Reporting. Vollständigkeit und Aktualität Stammdaten, Dokumentationsnachlauf, Anteil digital belegter Leistungen, Anzahl Medienbrüche, Schnittstellenverfügbarkeit, Anzahl unzuordenbarer Tickets, Trendlog-Vollständigkeit.
SLA-Vorschläge. Dokumentationsnachführung innerhalb definierter kurzer Fristen; 100 % digitale Rückmeldung gesetzlicher und präventiver Leistungen; keine Parallelführung unfreigegebener Schattenlisten.
Risikoanalyse & Maßnahmen. Parallelsysteme, Excel-Schattenwelten, fehlende Stammdatenqualität, proprietäre Lock-ins und Cyberrisiken; Gegenmaßnahmen sind AG-geführtes führendes CAFM, offene Schnittstellen, Rollenkonzept, Zertifizierungskriterien und Exit-Datenpflichten.
Kosten-/Budget-Hinweise. Einführungs-/Migrationsaufwand, mobile Endgeräte, Schnittstellenpflege, Datenbereinigung, Rollenadministration und Reporting-Cockpits gesondert ausweisen.
Übergabe- und Abnahmebedingungen. Jede Leistung enthält digitale Rückmeldung; jede Projektmaßnahme ist erst vollständig übergeben, wenn Stammdaten, Dokumentation und Wartungsregime im System aktualisiert sind.
Compliance/Normen. VDI/GEFMA 3810 Blatt 5, VDI 6026, einschlägige FM-Datenmodelle und Zertifizierungsleitlinien.
Verhandlungs-Checkliste. Welches System ist führend; welche Daten gehören dem Auftraggeber; welche offenen Exporte sind geschuldet; welche Rollen erhalten Schreibrechte; welche Schnittstellen liefert und betreibt der Auftragnehmer.
Qualität, Reporting, KPI, SLA, Wertgrenzen, Reifegrad und Innovation
Zielsetzung. Das Kapitel soll eine messbare, wirtschaftliche und entwicklungsfähige Leistungssteuerung schaffen.
Leistungsumfang. Enthalten sind Governance-Rhythmen, KPI-Set, SLA-Systematik, Qualitätsgespräche, Shopfloor-Berichte, Audit- und Review-Strukturen, Reifegradmodell, KVP/Innovation, Wertgrenzen und Service-Credit/Bonus-Mechanik.
Prozesse/Workflows. 1) KPI- und SLA-Baseline festlegen; 2) im CAFM messbar machen; 3) täglich/wochenweise operativ führen; 4) monatlich berichten; 5) quartalsweise Business Review; 6) jährlich Reifegradbewertung und Verbesserungsroadmap.
Rollen & Verantwortlichkeiten. Der Auftraggeber definiert Zielwerte, Wertgrenzen und Bonus-/Malus-Architektur; der Auftragnehmer liefert Daten, Maßnahmen und Innovationsvorschläge; Subunternehmer werden über den Auftragnehmer in die Kennzahlensystematik eingebunden.
Schnittstellen. Controlling, Einkauf, Produktion, HSE, IT, Energiemanagement, Standortleitung.
Benötigte Anlagen/Dokumente/Anhänge. KPI-Handbuch, SLA-Matrix, Wertgrenzenmatrix, Protokolle Qualitätsgespräche, Auditprogramm, Reifegradmodelle, Innovationsregister, Maßnahmenlisten.
KPIs & Reporting. Kernkennzahlen sind gesetzliche Termintreue, PM-Erfüllungsgrad, A-Anlagen-Verfügbarkeit, TTS/TTR, First-Time-Fix, Wiederholstörung, Datenqualitätsquote, Ticketnachlauf, Energie- und Medienkennwerte, offene Mängelalterung und Nutzer-/Produktionsrückmeldungen.
SLA-Vorschläge. Empfohlen wird ein Hybridmodell mit Compliance-Gate, kritikalitätsbezogenen Prozess-SLAs und wenigen Outcome-KPIs. Vertragsstrafen sollten nur für klar zurechenbare, besonders wesentliche Pflichtverletzungen vorgesehen werden; im Übrigen sind Service Credits und ein begrenzter Bonuspool für nachweisbare Verbesserungen zweckmäßiger.
Risikoanalyse & Maßnahmen. Zu viele Kennzahlen machen Verträge unsteuerbar; zu wenige Kennzahlen verdecken Risiken. Gegenmaßnahmen sind ein enges Kernset, eindeutige Messmethoden, Datenquellen aus dem CAFM und eine klare Eskalationslogik.
Kosten-/Budget-Hinweise. Wertgrenzen als Freigabebänder definieren; Innovation nicht allein über Nachträge vergüten, sondern über vereinbarte Mehrwert- oder Einsparlogiken mit Nachweis.
Übergabe- und Abnahmebedingungen. SLA-Kennzahlen laufen erst nach Stabilisationsphase in Bonus/Malus; Compliance-Gates jedoch ab Tag eins.
Compliance/Normen. ISO 41001, ISO 41012, einschlägige FM-Vertrags- und Leistungsleitlinien, VDI 3810-Grundsätze.
Verhandlungs-Checkliste. Welche KPIs sind zwingend, welche informativ; wann wirken Bonus/Malus; welche Datenquelle ist vertragsrelevant; welche Wertgrenzen gelten je Freigabeebene; wie wird Reifegrad bewertet; wie wird Innovation nachgewiesen.
Arbeitsschutz, Umwelt, Entsorgung und besondere Fabrikflächen
Zielsetzung. Das Kapitel soll Sicherheits-, Umwelt- und Sonderflächenanforderungen fabrizspezifisch integrieren, ohne sie aus dem TTS herauszudefinieren.
Leistungsumfang. Es umfasst Gefährdungsbeurteilungen, Permit-to-Work, LOTO/Arbeitsfreigaben, Fremdfirmensteuerung, Notfallmanagement, Alarm- und Meldeketten, Trinkwasser- und RLT-Hygiene, Rückkühlanlagen, Abfall- und Entsorgungslogistik, AwSV-relevante Anlagen, Fettabscheider, Havarien, Immissionsschutz, besondere Flächen und produktionsnahe Sonderkonditionen.
Prozesse/Workflows. 1) Sonderflächen identifizieren; 2) Gefährdungs- und Umweltaspekte bewerten; 3) Betriebs- und Hygienekonzepte je Bereich festlegen; 4) Überwachung, Beprobung, Unterweisung und Übungen durchführen; 5) Ereignisse melden, auswerten und Maßnahmen nachhalten.
Rollen & Verantwortlichkeiten. Der Auftraggeber legt Schutzziele, Freigaberegeln und Standortvorgaben fest; der Auftragnehmer setzt die technische und organisatorische Steuerung um und dokumentiert; Subunternehmer arbeiten nur mit Freigabe und Unterweisung.
Schnittstellen. HSE, Werkschutz, Feuerwehr, Umweltbeauftragte, Entsorger, Wasser-/Abwasserbetriebe, Laboratorien, Behörden, Security, Produktion.
Benötigte Anlagen/Dokumente/Anhänge. Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen, Arbeitsfreigaben, Hygienepläne, Beprobungspläne, Notfallhandbuch, Abfallregister, Entsorgungsnachweise, AwSV-Unterlagen, Sonderflächenblätter.
KPIs & Reporting. Unterweisungsquote, Unfall- und Beinaheunfallzahl, Drill-Quote, fristgerechte Legionellen-/Hygieneprüfungen, Abfallnachweisquote, Havarie-Reaktionszeiten, geschlossene Umweltmaßnahmen, Sonderflächenabweichungen.
SLA-Vorschläge. Sofortmaßnahmen bei Personen- oder Umweltgefährdung; definierte Meldezeiten an AG/HSE; Hygiene- und Umweltschutzpflichten als Null-Toleranz-Gate; besondere Flächen mit eigenen Parametern und Eskalationsstufen.
Risikoanalyse & Maßnahmen. Typische Fabrikrisiken sind elektrische Gefährdungen, Brandereignisse, Legionellen, Kühlwasserprobleme, F-Gase-Leckagen, AwSV-Havarien, Rückstauschäden, Fettabscheiderüberläufe und unsaubere Entsorgungsnachweise; Gegenmaßnahmen sind Prävention, Beprobung, Freigabesysteme, Übungen und klare Meldeketten.
Kosten-/Budget-Hinweise. Labour-, Prüf-, Labor-, Entsorgungs-, Havarie- und AwSV-Kosten getrennt ausweisen; keine Pauschalierung von Umwelt- und Notfallleistungen ohne Nachweis.
Übergabe- und Abnahmebedingungen. Kein Regelbetrieb in Sonderflächen ohne freigegebene Betriebs-, Hygiene- und Notfallunterlagen.
Compliance/Normen. ArbSchG, ArbStättV, BetrSichV, TrinkwV, VDI 6022, VDI 6023, 42. BImSchV, KrWG, NachwV, AwSV, ChemKlimaschutzV, einschlägige Brandschutzregeln.
Verhandlungs-Checkliste. Welche Sonderflächen existieren; welche Sollwerte gelten; welche Beprobungen und Übungen sind Regelleistung; welche Meldeketten gelten bei Havarie; welche Umwelt- und Entsorgungsnachweise schuldet der Auftragnehmer.
Steuerungsmodelle und Prozessbilder
Die folgenden Tabellen und Prozessbilder verdichten die oben beschriebenen Kapitel zu unmittelbar verhandlungsfähigen Steuerungsinstrumenten. Inhaltlich lehnen sie sich an die hochgeladenen Konzepte, an VDI 3810, an VDI/GEFMA 3810 Blatt 5, an ISO 41012 sowie an aktuelle FM-Vertrags- und Vergabeleitlinien an.
Vergleich alternativer SLA-Modelle
| Modell | Steuergröße | Stärken | Schwächen | Geeignete Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| Reaktionsmodell | TTS, TTR, Eskalationszeit | Einfach messbar, schnell verständlich, gut für Störungsfälle | Fördert reaktives Verhalten, wenig Fokus auf Prävention und Datenqualität | Start-up, Service Desk, First-Line-Service |
| Verfügbarkeitsmodell | Anlagen- oder Funktionsverfügbarkeit | Nah an Produktions- und Kerngeschäftsrisiken | Hoher Mess- und Abgrenzungsaufwand, Kausalitätsfragen | A-Anlagen, Produktionsversorgung, BHKW, zentrale Medien |
| Compliance-Modell | Prüftermintreue, Dokumentations- und Hygieneerfüllung | Deckt rechtliche und sicherheitsrelevante Pflichten robust ab | Erfasst Nutzer- und Produktionswirkung nur indirekt | Gesetzliche Prüfungen, Hygiene, Notfallvorsorge |
| Outcome-Modell | Wiederholstörung, Energie, Datenqualität, Nutzer-/Produktionsfeedback | Fördert Prävention, Innovation und KVP | Attribution und Berechnung anspruchsvoll | Reife Regelbetriebsphase, Jahresziele |
| Empfohlenes Hybridmodell | Compliance-Gate + Reaktionszeiten + selektive Verfügbarkeit + Jahres-Outcome | Ausgewogen, verhandlungsfest, steuerbar | Höherer Implementierungsaufwand | Fabrik-TTS insgesamt |
Vergleich von CAFM-Architekturoptionen
| Architektur | Beschreibung | Vorteile | Risiken | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| Auftraggeber-CAFM als führendes System | Stammdaten, Tickets, Verträge, Dokumente und KPI-Cockpit liegen beim Auftraggeber; Auftragnehmer arbeitet rollenbasiert im System und ggf. mit mobilen Clients | Höchste Datensouveränität, geringes Exit-Risiko, klare Beweisführung | Höherer Einrichtungsaufwand beim Auftraggeber | Bevorzugt |
| Auftraggeber-CAFM mit AN-Add-on | AG-System bleibt führend; Auftragnehmer nutzt ergänzende mobile oder operative Tools über Middleware | Gute Balance aus Datenhoheit und operativer Flexibilität | Schnittstellen- und Synchronisationsaufwand | Akzeptabel |
| Duale Masterdatenhaltung | AG und AN pflegen parallel Stammdaten und Dokumente, Abgleich periodisch | Kurzfristig pragmatisch bei Übergang | Hohe Fehlerrate, Medienbrüche, Streitpotenzial | Nur befristet im Start-up |
| Auftragnehmer-System als führendes System | AN führt Operation und Daten, AG erhält Exporte/Reports | Geringer AG-Einführungsaufwand | Hoher Vendor-Lock-in, Beweis- und Exit-Risiko, schwächere Steuerbarkeit | Nicht empfohlen |
Verantwortlichkeitsmatrix für Kernprozesse
| Kernprozess | Auftraggeber TFM | Auftraggeber Service Desk/CAFM | Auftragnehmer Objektleitung | Auftragnehmer Fachteam / Subunternehmer | Einkauf / HSE / IT |
|---|---|---|---|---|---|
| Pflichten- und Rechtskataster | A | C | R | I | C |
| Wartungs- und Prüfplanung | A | C | R | R | I |
| Störungsmanagement | C | A/R | A/R | R | I |
| Major Incident / Notfall | A | R | A/R | R | C |
| Change Request | A | C | R | C | C |
| Projektabwicklung und Abnahme | A | I | R | R | C |
| Dokumentationspflege | A | A/R | R | R | C |
| Monatsreporting und KPI | A | R | R | C | I |
| Umwelt- und Entsorgungsnachweise | A | I | R | R | C |
| Exit / Retender-Unterstützung | A | R | R | C | C |
Kernset für KPI und Reporting
| KPI | Definition | Messmethode | Reporting-Frequenz | Eskalation |
|---|---|---|---|---|
| Prüfterminquote | Anteil fristgerecht erledigter gesetzlicher Prüfungen | Soll/Ist aus Prüffristenbuch | monatlich | sofort bei Überfälligkeit A-relevant |
| PM-Erfüllungsgrad | Anteil termingerechter präventiver Leistungen | CAFM-Arbeitsaufträge | monatlich | gelb/rot ab definierter Schwelle |
| A-Anlagen-Verfügbarkeit | Verfügbarkeit definierter kritischer Assets | Störungs- und Betriebsdaten | monatlich, quartalsweise Trend | Eskalation Management Review |
| TTS / TTR | Reaktions- und Wiederherstellungszeit | Ticketzeitstempel | wöchentlich, monatlich | sofort bei Major Incident |
| First-Time-Fix | Anteil ohne Zweiteinsatz abgeschlossener Störungen | Ticket- und Materialdaten | monatlich | Maßnahmenplan bei sinkendem Trend |
| Wiederholstörungsquote | Anteil gleicher Fehler in festgelegtem Zeitraum | Ticketklassifikation/RCA | monatlich | RCA-Pflicht |
| Dokumentationsnachlauf | Zeit bis vollständige Systemnachführung | Ticket-/Dokumentenworkflow | monatlich | Bonus-Sperre bei dauerhafter Überschreitung |
| Energiekennzahlen | Strom, Wärme, Kälte, Wasser, ggf. Druckluft pro Bezugsgröße | Zähler/Monitoring | monatlich, quartalsweise Analyse | KVP-Maßnahme |
Die Auswahl folgt dem Prinzip „wenige harte Steuerungsgrößen, keine KPI-Flut“ und knüpft an die in den Vorlagen bereits angelegten Kennzahlensysteme an.
Prozessbilder
Die folgenden Mermaid-Darstellungen sind als Sollbild für Vertragsanhänge, Prozesshandbuch und Bietergespräche gedacht. Sie verdichten die Anforderungen aus VDI 3810, VDI 6039, VDI 6026 und den hochgeladenen Konzepten in einer verhandlungs- und auditfähigen Form.
Anhänge und Mustervorlagen
Die Anhangsstruktur sollte die bereits in den hochgeladenen Materialien angelegte Logik ausdrücklich übernehmen und zugleich auf eine fabrikweite, revisionssichere Dokumentation erweitern. VDI 6026, DIN EN 13460 sowie aktuelle FM-Daten- und Dokumentationsleitlinien sprechen für eine strukturierte, versionierte und attributierte Anlagendokumentation mit klaren Verweisungswegen zwischen Vertrag, Leistungsverzeichnis, Pflichtenmanagement, Betriebsbuch und Projektunterlagen.
Empfohlene Anhangsstruktur
01_Arbeitssicherheit – Gefährdungsbeurteilungen, Fremdfirmen- und Arbeitsfreigaben, LOTO, PSA-Matrix, Sicherheitsunterweisungen, Permit-to-Work, Sicherheitsbegehungen, DGUV-Prüfstrategie.
02_Anlagenbewertung – Erstbewertung, Zustandsnoten, Restnutzungsdauer, Kritikalitätsklasse, Risikofolgen, Investitionsbedarf, Sofortmaßnahmenliste.
03_Vertrags- Kataster – Vertragsstammdaten, Laufzeiten, Fristen, Versicherungen, Gewährleistungen, Kündigungs- und Verlängerungsoptionen, Subunternehmerfreigaben.
04_Anlagenkataster – eindeutige Asset-IDs, Standorte, Hersteller, Typen, Baujahre, KGR, Kritikalität, Übergabepunkte, technische Attribute, Dokumentenlinks.
05_SFM – Shopfloor-Boards, Regeltermine, KPI-Ampeln, Maßnahmenlisten, Daily-/Weekly-Rhythmus, Führungsstandard.
06_Organigramm – Organigramme AG und AN, Schlüsselrollen, Vertretungen, Rufbereitschaften, Eskalations- und Ansprechpartnerlisten.
07_Prozesse_FM – Prozesslandkarte, SOPs, Standardflussdiagramme, Eskalationswege, Freigabeprozesse, RCA- und CAPA-Verfahren.
08_Betreiben – Betriebsanweisungen, saisonale Fahrweisen, Sollwerte, Ein-/Außerbetriebnahmen, Kontrollroutinen, Betriebstagebücher.
09_Qualitätsgespräche – Tagesordnungen, Protokolle, Maßnahmenverfolgung, Auditplan, Monats- und Quartalsreview.
10_ProvI – präventive Verbesserungsprogramme, Pilotierungen, Checkhefte, Reinigung-/Inspektionsroutinen, produktive vorbeugende Instandhaltung.
11_Wertgrenzen – Freigabebänder, Genehmigungsmatrix, Kleinreparaturregeln, Sonderfreigaben, Capex/Opex-Abgrenzung.
12_Instandhaltung – Strategien, Wartungs- und Prüfpläne, Arbeitskarten, Ersatzteillisten, Backlog-Logik, Zustandsberichte, Forecast.
13_Service Desk – Ticketkanäle, Prioritätskatalog, Eskalationspfade, Kommunikationsstandards, Major-Incident-Protokolle, First-Line-Service.
14_Notfallhandbuch – Alarm- und Meldeketten, Szenarien, Ersatzbetrieb, Abschaltpunkte, Kontaktlisten, Feuerwehr-/Behördenpfade, Übungsprotokolle.
16_Besondere Flächen – Raum- und Zonenmatrix für Produktionsbereiche, Serverräume, Labore, Lager, Hygiene- oder Reinheitsanforderungen, Sonderzugänge, Sollwerte.
17_Compliance_Management – Rechtskataster, Pflichtenmatrix, Delegationsnachweise, Auditprotokolle, Fristenbuch, Nachweisführung der Pflichterfüllung.
18_Technische_Betriebsführung_weitere… – Rollout weiterer Standorte, Harmonisierung, Addenda je Standort, Onboarding-/Takeover-Pakete, Standortvergleich.
19_Change_Request – CR-Formulare, Impact-Assessment, Freigabematrix, Dokumentationspflichten, Vertrags- und SLA-Auswirkungen.
20_Betrieblicher_Umweltschutz – Abfall- und Entsorgungslogik, AwSV-Unterlagen, Immissionsschutz, Havariepläne, Medienstofflisten, Nachweisführung.
21_Dienstleister_Pflichten – Qualifikationsanforderungen, Unterweisungspflichten, Reportingpflichten, Verhaltensregeln, Freigabe- und Auditregeln für Nachunternehmen.
22_IT-Konzept_CAFM – Datenmodell, Rollen- und Berechtigungskonzept, Schnittstellen, mobile Nutzung, Archivierung, Auswertungen, Exit-Export.
23_BHKW – Betriebsstrategie, Fahrweise, Energie- und Effizienzziele, Wartungsmaßnahmen, Emissions- und Brennstoffmanagement, Ersatzteile.
24_Projektabwicklung – Projektsteckbrief, Freigaben, Arbeitsvorbereitung, Inbetriebnahme, Abnahme, Restpunkte, Übergabe an Regelbetrieb.
25_IT-Konzept-GLT – Alarmmanagement, Datenpunkte, Trendlogs, Naming Convention, Backup/Restore, Schalt- und Freigabelogik, Cyber-Schutzmaßnahmen.
26_IT-Konzept-SAP – ERP-Schnittstellen, Kostenobjekte, Bestell- und Leistungsbuchung, Rückmeldelogik, Rechnungsprüfpfad, Stammdatenkopplung.
27_Fettabscheider – Betriebs- und Entleerungsplan, Prüfroutinen, Entsorgungsnachweise, Alarmierung, Havarie- und Reinigungslogik.
28_Schnittstellenbeschreibung – narrative Beschreibung aller internen und externen Übergaben, Leistungsgrenzen, Daten- und Meldewege.
29_Brandschutz – technische und organisatorische Brandschutzkonzepte, BMA-/RWA-/FSA-Logik, Übungen, Pläne, Mängelverfolgung.
30_Schnittstellenmatrix – tabellarische Zuständigkeiten je Prozess, Gewerk, Asset, Meldung, Freigabe und Eskalation.
31_Reifegrad – Baseline-Audit, Zielbild, Reifegradbewertung je Themenfeld, Jahresroadmap, Soll/Ist-Vergleich.
32_Verbesserung und Innovation – KVP-Pipeline, Innovationsregister, Pilotierungsprozess, Nutzenbewertung, Sharing-Mechanismen.
33_Gebäudeautomation – gewerkespezifische GA-Unterlagen, Automationsstationen, Softwarestände, Backups, Punktlisten, Funktionsbeschreibungen.
Musterfelder für zentrale Formulare
Die folgenden Formularvorschläge sind ausdrücklich als Vertragsanhänge geeignet. Sie leiten sich aus den dokumentations- und prozessbezogenen Mindestanforderungen der hochgeladenen Konzepte, aus VDI 6026 und aus Instandhaltungsdokumentationsnormen ab.
Wartungsplan
Felder: Asset-ID, Gewerk, Standort, Kritikalität, Hersteller/Typ, Wartungsgrundlage, Tätigkeitskatalog, Intervall, letzte Durchführung, nächste Fälligkeit, benötigte Qualifikation, Betriebsfenster, Stillstandsbedarf, Ersatzteile/Verbrauchsmaterial, Sicherheitsmaßnahmen, Prüfmittel, Dokumentationspflicht, Abnahmekriterium.
Übergabeprotokoll
Felder: Objekt/Bereich, Datum, Teilnehmer, übergebene Assets, Dokumentationsstatus, offene Mängel, Sicherheits- und Notfallinformationen, Schlüssel/Zugänge, Benutzerkonten, Ersatzteillager, Schulungen/Einweisungen, Sonderflächen, Übergabepunkte, Restpunkte mit Frist, beiderseitige Freigabe.
Service-Desk-Ticket
Felder: Ticket-ID, Meldungskanal, Meldungszeit, Melder, Standort/Raum, Asset-ID, Störungsbild, Priorität, Sicherheits- und Produktionswirkung, Sofortmaßnahme, disponierte Einheit, TTS/TTR-Soll, Kommunikationslog, Ursache, Maßnahme, Material, Wiederinbetriebnahmezeit, Freigabe, Abschlussklassifikation, RCA-Pflicht.
Change-Request-Form
Felder: CR-ID, Antragsteller, Anlass, Beschreibung der Änderung, betroffene Assets/Flächen, Auswirkungen auf Sicherheit, Produktion, Energie, Hygiene, SLA und Vergütung, Kostenschätzung als Band, Freigaben, Ausführungsfenster, Dokumentationsanforderungen, Abnahme- und Überführungsregeln.
Prüfprotokoll
Felder: Prüfgegenstand, Rechts-/Normgrundlage, Prüferqualifikation, Prüfdatum, Mess- und Sichtbefunde, Abweichungen, Mängelklasse, Sofortmaßnahmen, Fristsetzung, Fotodokumentation, Folgeprüfung, Freigabestatus, Unterschriften.
Notfallhandbuch-Checkliste
Felder: Szenario, Alarmkette, Erstmaßnahmen, Abschalt- und Absperrpunkte, Verantwortliche, Kommunikationsmuster intern/extern, Ersatzbetrieb, Mobilisierung von Dienstleistern, Behörden-/Feuerwehrkontakte, Lagepläne, Medienlisten, Rettungswege, Wiederanlaufplan, Übungsdatum, Revision/Version.
Verhandlungs- und Abnahmechecklisten
Die nachfolgenden Checklisten konzentrieren sich auf die in FM-Vergaben regelmäßig konfliktträchtigen Punkte: Scope, Datenhoheit, Betreiberpflichten, Wertgrenzen, Sonderflächen, Dienstleistersteuerung, Exit-Fähigkeit und Messbarkeit. Die in aktuellen Vergabeleitlinien hervorgehobene Trennung von Eignungs- und Zuschlagskriterien sowie die Prozessabbildung von Ausschreibung und Vergabe sollten ausdrücklich berücksichtigt werden.
Vor dem Teilnahmewettbewerb
Scope-Liste, Anlagenkataster und Übergabepunkte fachlich bereinigen.
Besondere Flächen, Produktionssperrzeiten, Sicherheits- und Hygienebereiche separat kennzeichnen.
Betreiberpflichten und delegierbare Teilpflichten vorab unterscheiden.
Datenraum mit Revisionsunterlagen, Prüfstatus, Mängellisten, Verbrauchsdaten und Vertragslagen vervollständigen.
Eignungskriterien auf Fachkunde, Fabrikerfahrung, 24/7-Fähigkeit, Dokumentationskompetenz und Subunternehmersteuerung fokussieren.
Zuschlagskriterien nicht nur auf Preis, sondern auf Datenkonzept, Start-up, Schlüsselpersonal, Sonderflächenverständnis und Verbesserungsfähigkeit ausrichten.
Vorab festlegen, welche Leistungen Pauschalleistung, welche Abrufleistung und welche Projekt-/Nachweisleistung sind.
In den Verhandlungsrunden
A/B/C-Kritikalitäten assetbezogen verhandeln, nicht nur gewerkebezogen.
„One face to customer“ und Service-Desk-Verantwortung verbindlich festschreiben.
Führendes CAFM, Datenhoheit, Exportpflichten und Exit-Format klären.
Subunternehmerfreigabe, Austauschrechte bei Schlüsselpersonal und Auditrechte des Auftraggebers regeln.
Wertgrenzen als Freigabebänder, nicht als pauschale Mängelbehebungsvollmacht formulieren.
Bonus/Malus nur für eindeutig messbare, zurechenbare Kennzahlen vereinbaren; Compliance-Gates vorschalten.
Für Sonderflächen, BHKW, Fettabscheider, Rückkühlanlagen, Aufzüge und brandschutzrelevante Systeme separate Anlagenblätter verlangen.
Pflichten bei Major Incidents, Havarien und Ersatzbetrieb einschließlich Kommunikationspflichten klären.
Change Request so definieren, dass jede scope-, daten- oder wartungsrelevante Änderung erfasst wird.
Vertragsende, Retender-Unterstützung und geordnete Daten-/Dokumentenrückgabe bereits mitverhandeln.
Vor Start-up, Abnahme und Exit
Start-up in Due Diligence, Mobilisierung, Stabilisierung und Regelbetrieb staffeln.
Vollständigen Import von Anlagendaten, Dokumenten, Fristen und Ansprechpartnern prüfen.
Rufbereitschaft, Eskalationsketten, Service Desk und GLT-Alarme end-to-end testen.
Sicherheitsunterweisungen, Permit-to-Work und Notfallübungen vor Regelstart durchführen.
Offene Mängel mit Priorität, Risiko und Termin vertraglich übergeben.
Regelbetrieb erst nach unterschriebenem Übergabeprotokoll, betriebsfähigem Reporting und freigegebenem Wartungsplan starten.
Vor Exit: Datenexport, Dokumentenübergabe, offene Tickets, Restmängel, Zugänge, Schlüssel, Schulungen und Ersatzteilbestände endgültig reconciliert abschließen.
Schlussabnahme stets technisch, dokumentarisch und kaufmännisch kumulativ gestalten.
