Gewerkeverantwortlicher Regalanlagen im Technischen Facility Management
Regalanlagen werden im Facility Management häufig als vergleichsweise einfache Betriebsmittel betrachtet. Tatsächlich können beschädigte Regalstützen, fehlende Sicherungen, unzulässige Umbauten oder Überlastungen erhebliche Personen-, Sach- und Betriebsrisiken verursachen. Besonders in Produktions- und Logistikbereichen wirken Regalanlagen unmittelbar mit Flurförderzeugen, Ladeeinheiten, Verkehrswegen, Gebäudestrukturen und betrieblichen Prozessen zusammen.
Der Gewerkeverantwortliche Regalanlagen bündelt deshalb die technische und organisatorische Verantwortung für eine systematische Bewirtschaftung des Regalbestands.
Regalanlagen systematisch prüfen und instand halten
Zu den wesentlichen Steuerungsaufgaben gehören insbesondere:
Aufbau und Pflege eines vollständigen Regalkatasters,
eindeutige Zuordnung von Standorten und Regaltypen,
Organisation von Prüfungen und internen Kontrollen,
Überwachung festgestellter Schäden,
Steuerung von Reparaturen und Austauschmaßnahmen,
Kontrolle zulässiger Belastungen und Kennzeichnungen,
Bewertung geplanter Umbauten und Nutzungsänderungen,
Koordination von Regalherstellern und Fachunternehmen,
Abstimmung mit Arbeitsschutz, Logistik und Produktion,
Dokumentation von Prüfungen, Schäden und Instandsetzungen.
Die aktuelle DGUV Information 208-061 „Lagereinrichtungen und Ladungsträger“ behandelt Bau, Ausrüstung, Betrieb, Prüfung und Instandhaltung von Lagereinrichtungen. Sie ist aus der inzwischen zurückgezogenen DGUV Regel 108-007 hervorgegangen.
Regalbestand strukturiert erfassen
Steuerungsmerkmal
Typische Information
Identifikation
Regal-ID, Standort, Bereich
Bauart
Paletten-, Fachboden-, Kragarm- oder Spezialregal
Hersteller
Hersteller, Typ, Baujahr
Belastung
Feldlast, Fachlast, zulässige Ladeeinheiten
Nutzung
Lagergut und Bedienkonzept
Prüfung
letzte und nächste Prüfung
Zustand
Schäden, Einschränkungen, Reparaturbedarf
Dokumentation
Aufbauanleitung, Statik, Prüfberichte
Für Regale muss eine Aufbau- und Betriebsanleitung vorhanden sein, die unter anderem Hinweise zu Aufstellung, Betrieb und notwendigen Sicherheitsmaßnahmen enthält.
Schäden unmittelbar in einen Prozess überführen
Besonders relevant sind Anfahrschäden durch Flurförderzeuge. Beschädigte Stützen, Traversen, Aussteifungen oder Verankerungen dürfen nicht lediglich in einem Prüfbericht dokumentiert werden. Der Gewerkeverantwortliche benötigt einen geschlossenen Prozess:
Die DGUV Information 208-043 behandelt hierzu ausdrücklich Prüfumfang, Dokumentation, Maßnahmen nach festgestellten Schäden sowie Anforderungen an die Instandsetzung von Regalen.
Prüfungen und Kontrollen systematisch organisieren
Regalanlagen sind im Rahmen der Betriebssicherheitsorganisation zu betrachten. Art, Umfang und Fristen erforderlicher Prüfungen müssen aus der Gefährdungsbeurteilung und den einschlägigen technischen Regeln abgeleitet werden. Die TRBS 1201 konkretisiert die Organisation von Prüfungen und Kontrollen von Arbeitsmitteln und wurde zuletzt 2025 geändert.
Für viele Regalsysteme hat sich zusätzlich die Systematik aus internen Sichtkontrollen und einer mindestens jährlichen Experteninspektion etabliert. Die konkrete Prüforganisation muss jedoch zur tatsächlichen Nutzung und Gefährdung passen.
Änderungen besonders kontrollieren
Regale werden im laufenden Betrieb häufig verändert: Traversen werden umgesetzt, Lagergüter ändern sich, zusätzliche Ebenen werden eingebaut oder Flurförderzeuge wechseln. Solche Veränderungen können Tragfähigkeit, Anfahrrisiko und Sicherheitsabstände beeinflussen.
Deshalb sollte gelten:
keine relevante Änderung ohne technische Bewertung, Freigabe und Aktualisierung der Dokumentation.
Eigenmächtige Reparaturen, improvisierte Verstärkungen oder Änderungen der Regalgeometrie sind zu vermeiden.
Regalanlagen in CAFM und Betreiberorganisation integrieren
Prüfberichte, Schäden, Reparaturen und Änderungen sollten einer eindeutigen Regal-ID zugeordnet werden. Dadurch entsteht eine belastbare Anlagenhistorie. Wiederkehrende Schadensbilder können zusätzlich Hinweise auf ungeeignete Verkehrswege, zu geringe Schutzabstände oder organisatorische Schwächen liefern.
Die Steuerungslogik des Gewerkeverantwortlichen lautet damit:
So werden Regalanlagen nicht nur regelmäßig geprüft, sondern als eigenständiges technisches Gewerk mit klarer Verantwortung, nachvollziehbarer Betreiberorganisation und kontinuierlicher Risikosteuerung geführt.