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IT-Konzept GLT: Gebäudeautomation, Schnittstellen, Alarmmanagement

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GLT Gebäudeautomation mit Schnittstellen und Alarmmanagement im technischen Facility Management

A22 IT-Konzept GLT

Das CAFM-System ist als führendes Betriebsdatensystem für Flächen-, Anlagen-, Auftrags-, Dokumenten- und Nachweisdaten auszuführen. Es hat technische, infrastrukturelle und kaufmännische FM-Prozesse in einer zentralen Datenhaltung zu unterstützen, Schnittstellen zu ERP, GLT, Service-Desk und IoT/Monitoring bereitzustellen und den Betrieb über belastbare Rollen-, Berechtigungs-, Protokollierungs-, Backup- und Testverfahren abzusichern. Die Ausschreibung ist auf eine standardisierte Datenbasis, offene bzw. standardisierte Austauschformate, nachvollziehbare Datenhoheit sowie einen geregelten Migrations- und Rolloutpfad auszurichten.

Maßgeblich hierfür sind die aktuellen Praxis- und Regelwerksbezüge aus dem Umfeld von gefma Deutscher Verband für Facility Management, BIM Deutschland, buildingSMART International, Verein Deutscher Ingenieure und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.

GLT-Konzept und Gebäudeautomation

Systemarchitektur

Die Systemarchitektur ist dreistufig auszuführen und mindestens

aus Präsentationsschicht,

Applikationsschicht

und Datenhaltung

zu bilden. Für Produktiv-, Test- und Schulungszwecke sind getrennte Umgebungen vorzusehen.

Die Produktivumgebung hat mandanten- und rollenfähig zu sein, revisionsfähige Änderungsprotokolle vorzuhalten, versionierte Im- und Exporte zu unterstützen und externe Systeme über dokumentierte APIs, standardisierte Import-/Exportverfahren und definierte Übergabepunkte anzubinden. Das System ist so auszulegen, dass FM-Prozesse über den gesamten Lebenszyklus eines Assets unterstützt werden und die Daten nicht nur gespeichert, sondern historisiert und auswertbar bereitgestellt werden.

Für die Gebäudeautomation ist ein Architekturansatz mit gesicherter Segmentierung zwischen CAFM, GLT und IoT/Monitoring vorzusehen. Zwischen den Ebenen sind ausschließlich sichere und standardisierte Protokolle und Schnittstellen zuzulassen. Die GA ist nach aktuellem Verständnis als zentrales Werkzeug für den zielsetzungsgerechten, energieeffizienten und sicheren Betrieb der TGA einzuordnen; entsprechend ist die CAFM-Architektur nicht als isolierte FM-Anwendung, sondern als integraler Bestandteil der Betriebsführung mit geregelten Prozess- und Datenschnittstellen zu konzipieren.

Die Dokumentenführung ist an eine zentrale, versionierte Informationsumgebung anzubinden. Für Planungs-, As-built-, Revisions- und Betriebsunterlagen ist eine eindeutige Trennung zwischen führendem Dokumentensystem und referenzierender CAFM-Verknüpfung vorzusehen. Innerhalb der gemeinsamen Datenumgebung müssen Informationen zentral gespeichert, versioniert, freigegeben und archiviert werden; im CAFM sind dazu stabile Dokumentenreferenzen, Freigabestände und Gültigkeiten zu führen.

Datenmodell

Das Datenmodell ist objektorientiert, hierarchisch und durchgängig schlüsselbasiert aufzubauen. Grundstruktur sind Standort, Liegenschaft, Gebäude, Bauwerksteil, Ebene, Raum, technische Anlage, Asset, Messpunkt, Dokument, Auftrag, Ticket und Vertrag. Jedes Objekt erhält genau eine systemweite Primär-ID, eine Parent-ID zur Hierarchiebildung sowie definierte Fremdschlüssel zu Kostenstellen, Lieferanten, Verträgen, Dokumenten, GLT-Punkten und gegebenenfalls BIM-/IFC-Referenzen. Die Datenhaltung ist entlang eines Attributkatalogs zu standardisieren; Pflichtattribute, optionale Attribute, Wertebereiche, Datentypen, Defaultwerte, Validierungsregeln und Änderungsverantwortung sind je Objektklasse festzulegen. Die Informationsanforderungen sind dabei zweck-, zeitpunkt- und qualitätsbezogen zu definieren.

Unterschieden werden Stammdaten, Bewegungsdaten und abgeleitete Zustands- bzw. Ereignisdaten. Bestands- bzw. Stammdaten umfassen im FM die für die Prozesssteuerung erforderlichen Daten zu Liegenschaften, Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen; sie schließen grafisch-geometrische und alphanumerische Daten ein. Bewegungsdaten umfassen insbesondere Tickets, Aufträge, Rückmeldungen, Wartungsnachweise, Buchungen, Sensor- und Alarmereignisse, Verbrauchswerte, Eskalationen und Freigaben. Der Attributkatalog ist so auszulegen, dass geometrische, alphanumerische und dokumentarische Informationen für Planung, Errichtung und Betrieb in der jeweils benötigten Qualität übergeben und weitergeführt werden können. Für modellbasierte Übergaben sind offene, herstellerneutrale Strukturen vorzusehen; IFC ist hierfür ein offener, globaler und maschinenlesbarer Standard, der vendor-neutralen Informationsaustausch ermöglicht.

Die Semantik des Attributkatalogs ist konsistent und systemübergreifend aufzubauen. Für Klassen, Eigenschaften, zulässige Werte, Einheiten und Übersetzungen ist eine kontrollierte Begriffsverwaltung vorzusehen. Dafür kann eine semantische Referenzierung an ein gemeinsames Datenwörterbuch angebunden werden; das buildingSMART Data Dictionary ist als Sammlung verknüpfter Fachdatenwörterbücher für Begriffe des gebauten Umfelds angelegt und unterstützt die konsistente Zuordnung von Klassen und Eigenschaften.

Die nachstehende Feldliste wird als Mindestumfang für Stammdaten empfohlen. Sie leitet sich aus den Anforderungen an standardisierte Datenstrukturen, Datenqualität, Schnittstellenfähigkeit, Betriebshistorie und dokumentierten Informationsbedarf ab.

ID

Bezeichnung

Typ

Pflicht/optional

Beschreibung

SD-01

Objekt-ID

String

Pflicht

Eindeutiger Primärschlüssel des Objekts

SD-02

Parent-ID

String

Pflicht

Verknüpfung zur übergeordneten Hierarchieebene

SD-03

Objektklasse

Enum

Pflicht

Gebäude, Raum, Anlage, Asset, Messpunkt, Dokument etc.

SD-04

Bezeichnung

String

Pflicht

Fachlich eindeutige Benennung

SD-05

Kurzbezeichnung

String

Optional

Kurze Anzeige- oder GLT-kompatible Bezeichnung

SD-06

Standortcode

String

Pflicht

Zuordnung zu Standort/Liegenschaft/Gebäude

SD-07

Ebenen-/Raumbezug

String

Optional

Zuordnung zu Ebene, Raum oder Nutzungsbereich

SD-08

Anlagen-/Funktionsort

String

Pflicht für Assets

Referenz auf technische Struktur

SD-09

Gewerk

Enum

Pflicht

Zuordnung zu TGA-/FM-Gewerk

SD-10

Hersteller

String

Optional

Hersteller des Assets

SD-11

Typ/Modell

String

Optional

Typenbezeichnung bzw. Modell

SD-12

Seriennummer

String

Optional

Hersteller- bzw. Seriennummer

SD-13

Baujahr/Inbetriebnahme

Datum/Jahr

Optional

Baujahr oder Inbetriebnahmedatum

SD-14

Kritikalität

Enum

Pflicht für technische Anlagen

Kritikalitätsklasse für Betrieb und Eskalation

SD-15

SLA-/Serviceklasse

Enum

Optional

Serviceklasse für Reaktions- und Wiederherstellungszeiten

SD-16

Kostenstelle

String

Optional

Kaufmännische Zuordnung

SD-17

Vertrags-/Lieferantenreferenz

String

Optional

Verknüpfung zu Vertragspartner oder Leistung

SD-18

GLT-Punktreferenz

String

Optional

Zuordnung zu GLT-Datenpunkt oder Alarmobjekt

SD-19

BIM-/IFC-Referenz

String

Optional

Referenz auf Modellobjekt oder PropertySet

SD-20

Dokumentenlink

URI/String

Pflicht

Verknüpfung zu Betriebs-, Prüf- oder Revisionsunterlagen

SD-21

Datenverantwortlicher

String/Rolle

Pflicht

Verantwortliche Rolle für Pflege und Freigabe

SD-22

Gültig ab / Gültig bis

Datum

Pflicht

Lebenszyklus- und Versionsbezug

SD-23

Änderungsstatus

Enum

Pflicht

Entwurf, geprüft, freigegeben, stillgelegt

SD-24

Letzte Änderung

Timestamp

Pflicht

Zeitstempel der letzten Änderung

Rechte- und Rollenmodell sowie Datensicherheit

Das Rechte- und Rollenmodell ist strikt rollenbasiert aufzubauen. Rechte sind nach dem Minimalprinzip zu vergeben; administrative Rechte sind von fachlichen Bearbeitungsrechten zu trennen und über separate administrative Rollen zu verwalten. Das Berechtigungsmanagement hat zu regeln, ob und wie Benutzer oder IT-Komponenten auf Informationen oder Dienste zugreifen dürfen. Für Produktivbetrieb, Stammdatenpflege, Ticketdisposition, Auftragsbearbeitung, Berichtswesen, Systemadministration, Schnittstellenbetrieb, Revision, externe Dienstleister und Auditoren sind getrennte Rollen mit eindeutigem Rechteprofil vorzusehen.

Mindestens vorzusehen sind die Rollen CAFM-Systemverantwortung, Stammdatenverantwortung, Flächenmanagement, technisches FM, infrastrukturelles FM, Helpdesk/Disposition, Reporting/Controlling, Leserechte für Betreiberrollen, externe Servicepartner, Administrator sowie Revisor/Audit. Für externe Dienstleister sind zeitlich befristete, objektbezogene und protokollierte Zugänge mit eingeschränktem Funktionsumfang zu verwenden. Kritische Funktionen wie Massenänderungen, Benutzer- und Rollenpflege, Löschungen, Schnittstellenfreigaben und Stammdatenimporte sind ausschließlich Vier-Augen-fähig freizugeben. Diese Ausgestaltung ist eine aus dem Berechtigungsmanagement und dem Datenschutz abgeleitete Ausschreibungsanforderung.

Datensicherheit ist durch Technikgestaltung und datenschutzfreundliche Voreinstellungen umzusetzen. Soweit im CAFM personenbezogene Daten verarbeitet werden, sind Datenminimierung, Zweckbindung, Speicherbegrenzung, Rollenrestriktion, Verschlüsselung, belastbare Authentisierung und die rasche Wiederherstellbarkeit nach einem Vorfall vorzusehen. Das System muss Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit und Belastbarkeit der Verarbeitungsdienste dauerhaft sicherstellen. Projektdaten, Protokolle, Benutzeraktivitäten, Freigaben und Archivzugriffe sind konfigurierbar, manipulationsgeschützt und auswertbar zu protokollieren. Für die Gebäudeautomation gilt ergänzend, dass mindestens die zentralen Komponenten des GA-Systems in eine zentrale Protokollierung einzubinden sind.

Für revisionsrelevante Unterlagen ist eine langfristige, sichere, unveränderbare und reproduzierbare Archivierung vorzusehen. Archivierte Dokumente und Nachweise müssen im CAFM recherchierbar, über Metadaten klassifiziert und über stabile Referenzen mit Assets, Räumen, Verträgen und Vorgängen verknüpft sein. Zugriffe auf das Archivsystem sind nachvollziehbar zu protokollieren.

Schnittstellen und Datenflüsse

Die Integration ist API-first auszuführen. Für ERP-Anbindungen, insbesondere bei Einsatz von ERP/[SAP](https://www.sap.com/index.html?utm_source=chatgpt.com), sind standardisierte Services für Instandhaltungsaufträge, Serviceaufträge, Equipment, Business Partner und Beschaffungsprozesse zu nutzen. Offizielle SAP-Dokumentationen weisen für Maintenance Orders, Service Orders, Equipment, Business Partner und Purchase Orders entsprechende APIs bzw. öffentlich bereitgestellte Integrationsschnittstellen aus. Für Bestellprozesse sind ereignisbasierte Verfahren dort zu nutzen, wo das ERP diese bereitstellt; andernfalls ist ein gesicherter periodischer Abgleich vorzusehen.

Für GLT und Gebäudeautomation sind sichere, standardisierte und herstellerunabhängige Protokolle zu bevorzugen. BACnet ist als globaler Kommunikationsstandard für Gebäudeautomation und -steuerung etabliert und auf Interoperabilität zwischen Geräten und Systemen ausgelegt. OPC UA ist plattformunabhängig, serviceorientiert, unterstützt Informationsmodelle, Verschlüsselung, Authentisierung, Auditierung, Subscriptions und Events. KNX ist als Gebäudeautomationssystem verfügbar; MQTT ist ein leichtgewichtiges Publish/Subscribe-Protokoll für IoT-Nachrichten; Modbus ist im industriellen Umfeld weit verbreitet und für Alt- bzw. Bestandstechnik geeignet. Für neue Integrationen ist BACnet/IP oder OPC UA als Primärweg vorzusehen; Modbus und KNX sind über Gateways oder Integrationsschichten einzubinden; MQTT ist für Sensorik und Edge-Anbindungen vorzusehen.

Die Service-Desk-Kopplung ist bidirektional auszuführen. Eingehende Nutzerstörungen, GLT-Alarme, IoT-Events und Prüffristverletzungen müssen automatisch oder regelbasiert in Tickets bzw. Arbeitsaufträge überführt werden; Rückmeldungen, Statuswechsel, Ursachenklassifikation, Lösungscodes, Eskalationen und Abschlussdaten sind an das CAFM zurückzuschreiben. Die Anforderung ergibt sich aus dem Bedarf nach standardisierten, transparenten und nachvollziehbaren Workflows sowie automatisierten Wartungs- und Alarmprozessen in zentralen Informationsumgebungen.

Für BIM- und Dokumentenübergaben sind offene, herstellerneutrale Austauschformate und standardisierte Metadatenstrukturen vorzusehen. IFC ist hierfür der Primärstandard. Ergänzend sind CDE-Referenzen, Dokumentenstatus, Freigabestände, Versionskennzeichen und Dokumentenklassen im CAFM zu speichern. Für alphanumerische Daten und Dokumente ist eine interoperable Import-/Exportlogik vorzusehen; CAFM-Connect ist hierfür als deutsche Interoperabilitätsinitiative mit einheitlicher Schnittstelle zum Austausch von Raum-, Anlagen- und Dokumentendaten einschlägig.

Die nachstehende Schnittstellenmatrix wird als Mindestanforderung empfohlen.

System

Richtung

Datenarten

Frequenz

Protokoll/Format

ERP

bidirektional

Kostenstellen, Business Partner, Bestellungen, Aufträge, Buchungsreferenzen

täglich, ereignisbasiert, on demand

REST/OData, CSV nur fallback

GLT

überwiegend eingehend, teilweise bidirektional

Alarme, Zustände, Messwerte, Punktmetadaten, Quittierungen

near real time

BACnet/IP, OPC UA, REST

Service-Desk

bidirektional

Tickets, Prioritäten, Status, Eskalationen, Rückmeldungen, Abschlussdaten

near real time

REST/API, Webhooks

IoT/Monitoring

überwiegend eingehend

Telemetrie, Zustandsänderungen, Anomalien, Sensorwerte

streaming / intervallbasiert

MQTT, OPC UA, REST

DMS/CDE

bidirektional bzw. referenziert

Dokumente, Freigabestände, Versionen, Metadaten

ereignisbasiert / on demand

REST, IFC-Referenzen, Metadatenimport

Identity Provider

eingehend

Benutzer, Gruppen, Rollenattribute, SSO

täglich / near real time

SAML/OIDC/SCIM

E-Mail/SMS/Alarmierung

ausgehend

Benachrichtigungen, Eskalationen, Auftrags- und Störmeldungen

ereignisbasiert

SMTP, API

    • Schnittstellenmatrix für GLT, Gebäudeautomation und Alarmmanagement im technischen Facility Management

Migration, Rollout, Backup, Verfügbarkeit, Betrieb und Support

Die Einführung ist als strukturiertes Migrations- und Rolloutprojekt zu planen. Die Richtlinienlandschaft im CAFM-Umfeld behandelt Einführung, Datenbasis, Systemintegration und Ausschreibung ausdrücklich als zusammenhängendes Vorgehen; zugleich wird die Einführung eines CAFM-Systems als organisationsweites Projekt eingeordnet. Daraus folgt ein gestufter Implementierungspfad mit Fachkonzept, Datenmapping, Datenbereinigung, Mock-Migration, Integrationstest, Pilotbetrieb, Cutover, Hypercare und Verstetigung. Es sind mindestens zwei vollständige Probemigrationen vorzusehen. Eine Freigabe zur Produktivsetzung erfolgt erst nach bestandenen Fach-, Integrations-, Sicherheits- und Restore-Tests.

Der Rollout hat mit einem vorab definierten fachlichen Mindestumfang zu beginnen. Mindestumfang des Go-live sind Anlagenkataster, Flächenstruktur, Störungs- und Auftragsmanagement, Dokumentenverknüpfung, Benutzer- und Rollenmodell, ERP-Stammdatenkopplung sowie mindestens eine produktive GLT- oder Monitoringanbindung. Weitere Module, etwa Reinigungsflächen, Vertragsmanagement, Energiemonitoring oder mobile Rückmeldungen, sind modular nachzuschalten. Für die Hypercare-Phase wird als Ausschreibungsanforderung ein Zeitraum von mindestens acht Wochen empfohlen. Diese Festlegung ist eine abgeleitete Projektvorgabe.

Für Datensicherung und Wiederherstellung ist ein dokumentiertes Backup- und Recovery-Konzept vorzusehen. Datensicherungen sind regelmäßig nach Plan durchzuführen; Wiederherstellungen sind regelmäßig funktional zu testen. Werden Backups nicht getestet, besteht das Risiko, dass gesicherte Daten im Ereignisfall nicht wiederhergestellt werden können. Für kritische Betriebsprozesse sind RTO- und RPO-Werte vorab festzulegen; das BSI führt hierfür die maximal tolerierbare Ausfallzeit, die geforderte Wiederanlaufzeit und die Anforderungen an das Recovery Point Objective als maßgebliche Größen.

Als Ausschreibungsbasis wird empfohlen, für das Produktivsystem

einen monatlichen Verfügbarkeitswert von mindestens 99,5 Prozent,

einen RPO von höchstens 15 Minuten

und einen RTO von höchstens 4 Stunden

festzulegen; die Werte sind im Zuschlag an die tatsächliche Betriebs- und Schichtlogik anzupassen.

Der Betriebs- und Supportansatz ist dreistufig auszuführen. 1st Level übernimmt Annahme, Klassifikation, Benutzerunterstützung, Standardauskünfte und einfache Stammdatenkorrekturen. 2nd Level übernimmt Modulbetreuung, Regelwerks- und Workflowpflege, Fehleranalyse, Schnittstellenmonitoring, Datenqualitätsmanagement und Fachadministration. 3rd Level übernimmt Hersteller-Support, Fehlerbehebungen am Produkt, API-Anpassungen, Patches und Releasewechsel. Releases, Patches und Konfigurationsänderungen dürfen ausschließlich über einen geregelten Test- und Freigabeprozess in die Produktivumgebung überführt werden.

Test- und Abnahmekriterien, Reporting und Schulungsbedarf

Die Abnahme ist testfallbasiert durchzuführen. Mindestkriterien sind vollständige technische Installation, dokumentierte Systemkonfiguration, vollständige Rollen- und Rechtestruktur, erfolgreiche Migration der freigegebenen Datenobjekte, erfolgreicher End-to-End-Test aller Pflichtschnittstellen, erfolgreiche Alarm-/Ticket-/Auftragsketten, erfolgreiche Protokollierung sicherheitsrelevanter Ereignisse, erfolgreicher Restore-Test, vollständige Dokumentation und formale Freigabe aller Produktivparameter. Für Softwareänderungen sind funktionale Tests, Regressionstests, Auswertung der Testergebnisse und Freigaben verbindlich.

Für die fachliche Abnahme sind zusätzlich Datenqualitätskriterien festzulegen. Mindestanforderungen sind Vollständigkeit aller Pflichtattribute, eindeutige Objekt- und Hierarchieschlüssel, fehlerfreie Dokumentenverknüpfung, eindeutige Zuordnung von GLT-/IoT-Referenzen, konsistente Kostenstellen- und Lieferantenreferenzen, korrekte Historisierung sowie fehlerfreie Rechtevergabe. Als Abnahmeschwelle wird empfohlen, dass 100 Prozent der Pflichtobjekte und Pflichtattribute vorhanden sind und keine kritischen Schnittstellenfehler offen bleiben. Die Grundlage hierfür bildet die Anforderung nach standardisierten Datenstrukturen, belastbarer Datenqualität und dokumentierten Informationsanforderungen.

Das Reporting ist rollenbezogen und dashboardfähig umzusetzen. Mindestens vorzusehen sind ein Betriebsdashboard, ein Instandhaltungsdashboard, ein Störungs- und Eskalationsdashboard, ein Datenqualitätsdashboard, ein Dokumentationsdashboard und ein Managementdashboard. Das Berichtswesen hat offene und überfällige Tickets, SLA-Einhaltung, Wartungsplanerfüllung, Anlagenzustände, wiederkehrende Störungen, Kosten je Anlage/Objekt, offene Prüf- und Nachweislücken, Rückstaus in Schnittstellen, unvollständige Stammdaten und Archivierungsstände auszuweisen. Reporting und KPI-Funktionen sind im CAFM-Leistungsumfeld ausdrücklich verankert und als Pflichtumfang der Ausschreibung vorzusehen.

Der Schulungsbedarf ist als Pflichtumfang auszuschreiben und mindestens folgende Inhalte zu umfassen:

  • Systemgrundlagen und Navigation

  • Rollen- und Rechtemodell

  • Stammdatenpflege und Freigaberegeln

  • Ticket-, Auftrags- und Rückmeldeprozesse

  • Schnittstellenmonitoring

  • Dokumentenverknüpfung und Archivzugriff

  • Reporting und Dashboardnutzung

  • Administrations- und Konfigurationsfunktionen

  • Datenschutz- und Protokollierungsanforderungen

  • Backup-/Restore-Abläufe für verantwortliche Rollen

die Zielarchitektur des Betriebsmodells einschließlich

  • On-Premises-,

  • Private-Cloud-

  • oder SaaS-Vorgabe,

  • die servicekritischen Zeiten und Schichtmodelle als Grundlage für verbindliche Verfügbarkeits-, RTO- und RPO-Werte,

  • das verbindliche Rollenmodell des Auftraggebers einschließlich externer Dienstleisterrollen,

  • die führenden Systeme je Datenobjekt,

  • die verbindlichen Objektklassen und Hierarchien des Anlagen- und Flächenmodells,

  • der endgültige Pflichtattributkatalog je Objektklasse,

  • die zu übernehmenden Datenquellen und Datenqualitätsstände aus Planung, Errichtung und Vorbetrieb,

  • die verbindlichen Zielsysteme für ERP/SAP, Service-Desk, GLT, IoT/Monitoring, DMS/CDE und Identity-Management,

  • die konkreten Protokolle und Austauschformate je Schnittstelle,

  • die Anforderungen an mobile Nutzung und Offline-Fähigkeit,

  • die Zahl der Benutzer und Benutzergruppen,

  • das Mengengerüst der zu migrierenden Objekte und Dokumente,

  • die gewünschte Tiefe von BIM-/IFC-Referenzen einschließlich LOIN,

  • die Report- und Dashboardempfänger, die Abnahmegrenzen für Datenqualität und Performance sowie

  • die Vorgaben für Hersteller-Support, Patchfenster, Releasezyklen und Exit-/Datenexport-Szenarien.