Verbesserung und Innovation: KVP, Innovationen, Lessons Learned
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Verbesserung und Innovation
Der Anhang regelt ein geschlossenes Verbesserungs- und Innovationssystem für den technischen Betrieb. Es verbindet FM-Strategie, FM-Policy, Nutzer- und Dienstleisterverhalten, digitale Technologien, Leistungskennzahlen und einen strukturierten Wissensrückfluss in einem durchgängigen Steuerungsmodell. Verbesserungen werden aus Tickets, Audits, KPI-Abweichungen, Betriebs- und Energiedaten, Projektübergaben, Nutzerfeedback und Lieferantenimpulsen abgeleitet; Innovationen werden als Prozess-, Service-, Daten- oder Technologieänderungen behandelt und nur nach strukturierter Bewertung, Freigabe, Pilotierung und Wirksamkeitsnachweis in den Standardbetrieb überführt.
Das Verfahren ist PDCA-basiert, rollenscharf organisiert und auf messbare Ergebnisse ausgerichtet. KVP wird auf wiederkehrende Reibungsverluste, Abweichungen und Verbesserungschancen in kleinen oder mittleren Schritten fokussiert; innovationsnahe Themen mit höherer Unsicherheit, Technologiebezug oder Pilotbedarf werden in einer getrennten Bewertungs- und Freigabelogik geführt. Lessons Learned werden nicht erst am Ende von Vorhaben erhoben, sondern früh, kontinuierlich und anlassbezogen dokumentiert und anschließend verbindlich in Prozesse, Dokumente, Schulungen, Systeme und Standards zurückgeführt.
Lessons Learned und Prozessentwicklung
- Zielsetzung und Anwendungsbereich
- Prozesse und Methoden
- Rollen und Verantwortlichkeiten
- Steuerung, Kennzahlen, Tools und Schnittstellen
- Governance und Freigaben
- Dokumentation und Reporting
- Angaben, die im Zuge der Ausschreibung noch zu präzisieren sind
Zielsetzung und Anwendungsbereich
Der Anhang gilt für alle technischen Betriebs-, Instandhaltungs-, Service- und Steuerungsprozesse des TTS-Modells sowie für deren Schnittstellen zu Service Desk, CAFM, GLT, Monitoring, ERP, Qualitätsgesprächen, Projektabwicklung, Einkauf und retained organisation. Er richtet das Verbesserungs- und Innovationsgeschehen an den Zielen, Bedürfnissen und Restriktionen der Bedarfsorganisation aus, schafft ein einheitliches Verfahren für Zielbildung, Risikosteuerung und Nutzenrealisierung und stellt sicher, dass Verbesserungen nicht isoliert, sondern innerhalb einer abgestimmten FM-Strategie und FM-Policy bearbeitet werden.
Im Anwendungsbereich werden drei Objektklassen unterschieden. KVP-Fälle betreffen wiederkehrende Prozess-, Qualitäts-, Verfügbarkeits-, Energie-, Daten- oder Schnittstellenabweichungen mit klarer Ursache und kurzfristiger Umsetzbarkeit. Innovationsfälle betreffen neue oder wesentlich veränderte Prozesse, Methoden, Services, Datenmodelle, Automations- oder Softwarefunktionen, Technologiekomponenten oder Betriebsmodelle; das Innovationsmanagement ist ausdrücklich auf unterschiedliche Innovationsarten und -grade anwendbar und als eigenständiges, systematisches Managementfeld beschrieben. Lessons-Learned-Fälle betreffen Erkenntnisse aus Störungen, Projekten, Audits, Pilotierungen, Eskalationen, Übungen und Betriebsanläufen, die in künftige Entscheidungen, Standards und Arbeitsweisen einzuspeisen sind.
Als verpflichtende Auslöser für den Prozess gelten insbesondere wiederkehrende Störungen, negative Trends in Verfügbarkeit oder Instandhaltung, Auditfeststellungen, Nutzerbeschwerden, Reklamationen, Energie- oder Ressourcenabweichungen, Obsoleszenzsignale, ungeplante Mehraufwände, Abweichungen im Service Desk, Lieferantenhinweise, Mängelrückstände, Projekt- und Inbetriebnahmebefunde sowie Erkenntnisse aus Vorfällen und Übungen. Diese Auslöser entsprechen der in Qualitäts- und FM-Kontexten üblichen KVP-Logik aus Fehler- und Reklamationsanalysen, Qualitätszirkeln, Verbesserungsvorschlägen, Audits und Feedback sowie dem Erfordernis, Lessons Learned strukturiert und frühzeitig zu erfassen.
Prozesse und Methoden
Der Prozess folgt einem durchgängigen PDCA-Zyklus. Planung, Umsetzung, Überwachung und Verbesserung werden nicht als getrennte Einzelakte, sondern als wiederholbarer Regeltakt geführt. Für den Gebäudebetrieb ist diese Logik sowohl in Qualitätsmanagement- als auch in FM-Kontexten ausdrücklich verankert; GEFMA SustainFM beschreibt den kontinuierlichen Verbesserungsprozess im FM ebenfalls auf PDCA-Basis.
Im Eingang werden Verbesserungsideen, Auffälligkeiten und Innovationsimpulse über definierte Kanäle erfasst. Zulässige Eingänge sind Service-Desk-Tickets, Auditbefunde, Qualitätsgespräche, Shopfloor-Boards, Nutzerfeedback, Fachbegehungen, GLT-/Monitoring-Auswertungen, Energieanalysen, Rückmeldungen aus Prüfungen und Instandhaltung, Lieferanten- und OEM-Vorschläge sowie Lessons Learned aus Projekten, Störungen und Pilotierungen. Bereits an dieser Stelle erfolgt die Zuordnung zu Asset, Prozess, Raum, Gewerk, Dienstleister und Kritikalität.
In der Vorprüfung werden Dubletten bereinigt, der Sachverhalt vervollständigt und in KVP-, Innovations- oder Lessons-Learned-Fall klassifiziert. KVP ist auf die systematische Bearbeitung von Problemen und Ideen sowie auf schrittweise Verbesserungen ausgerichtet; innovationsnahe Themen werden gesondert disponiert, wenn technologische, organisatorische oder wirtschaftliche Unsicherheit vorliegt oder eine Pilotierung erforderlich ist. Unvollständige oder nicht verifizierbare Eingänge werden nicht verworfen, sondern mit Klärungsstatus in einen offenen Prüfpuffer überführt.
In der Bewertung werden Nutzen, Risiko und Umsetzbarkeit nach einheitlichen Kriterien gewichtet. Bewertet werden mindestens Sicherheits- und Compliance-Wirkung, Verfügbarkeits- und Qualitätsnutzen, Nutzerwirkung, Beitrag zu Energie- und Ressourceneffizienz, Kostenwirkung OPEX/CAPEX, Umsetzungsdauer, Komplexität, Daten- und Schnittstellenbedarf, Skalierbarkeit, Reproduzierbarkeit, Abhängigkeiten sowie Anforderungen an IT/OT/GA und Dokumentation. Entscheidungen sind dabei datenbasiert zu treffen; Kennzahlen, präzise Daten und definierte Prozessverantwortung sind hierfür Voraussetzung.
Die Priorisierung erfolgt portfolioorientiert. Standardverbesserungen mit geringem Risiko und klarer Nutzenlage werden als Quick Win oder Standardmaßnahme disponiert. Höher bewertete Maßnahmen mit begrenztem Erprobungsbedarf werden als Pilot geführt. Themen mit hoher Komplexität, regionaler oder systemischer Tragweite, IT/OT-/GA-Eingriff, Lieferantenwechsel, Abschaltbedarf, Investitionscharakter oder signifikanter Vertragswirkung gehen in einen formalisierten Projekt- oder Change-Request-Pfad über. Für alle Kategorien ist vor Umsetzung ein Baseline-Zustand zu sichern, damit der tatsächliche Nutzen verifiziert werden kann.
Die Umsetzung endet nicht mit dem Go-live. Jede Maßnahme durchläuft eine Wirksamkeitsprüfung anhand zuvor festgelegter KPI, eines dokumentierten Soll-Ist-Vergleichs und einer Entscheidung über Standardisierung, Nachsteuerung oder Beendigung. Bei digital oder sicherheitsrelevant wirkenden Maßnahmen werden Erkenntnisse aus Vorfällen und Verbesserungen nicht nur berichtet, sondern in Prozesse, Schulungen und Technik zurückgeschrieben. Lessons Learned werden zusätzlich organisationsweit verteilt, in Wissensbasen aufgenommen und bei vergleichbaren Maßnahmen verpflichtend vorab geprüft.
Der Ablauf bildet den PDCA-Grundsatz, die FM-bezogene Verhaltens- und Verbesserungslogik sowie den frühen, kontinuierlichen Lessons-Learned-Rückfluss unmittelbar ab.
| Prozessschritt | Verantwortlichkeit | Input | Output | Taktung |
|---|---|---|---|---|
| Eingang und Registrierung | Service Desk oder KVP-/Innovationsmanager | Ticket, Audit, Monitoring, Nutzerfeedback, Projektbefund, Lieferantenimpuls | Idea-ID, Erstbeschreibung, Asset-/Prozessbezug | laufend |
| Vorprüfung und Triage | KVP-/Innovationsmanager mit Objektleitung | registrierter Eingang | Klassifikation, Dublettencheck, Klärungsbedarf, Verantwortungszuordnung | täglich; Standardfall binnen 5 AT |
| Fachliche Bewertung | Gewerkefachverantwortliche, Datenmanagement, HSE/Compliance, IT/OT/GA nach Bedarf | qualifizierter Fall, Basisdaten, Historie, KPI-Baseline | Bewertungsmatrix, Nutzen-/Risikoprofil, Umsetzungsweg | laufend; Standardfall binnen 10 AT |
| Priorisierung und Portfolioeinordnung | Objektleitung mit Auftraggeber-FM-Steuerung | Bewertungsmatrix, Ressourcenlage, Backlog | Priorität, Zieltermin, Quick Win / Pilot / Projekt / Ablehnung | wöchentlich; Innovationsportfolio monatlich |
| Freigabe und Budgetzuordnung | zuständige Freigabeinstanz gemäß Wertgrenze und Risikoklasse | priorisierter Fall, Kosten-/Nutzenbild, Freigabeblatt | formale Freigabe, Budgetquelle, Umsetzungsauftrag | standardnah laufend; Board-Fälle im Regelturnus |
| Umsetzung oder Pilot | Objektleitung, Fachverantwortliche, Projekt- oder CR-Verantwortliche | Umsetzungsauftrag, Maßnahmenblatt, Pilotsteckbrief | realisierte Änderung, Testprotokoll, Schulung, Dokumentationsstand | gemäß Maßnahmenplan |
| Wirksamkeitsprüfung | KVP-/Innovationsmanager mit Datenmanagement und Fachverantwortlichen | KPI-Baseline, Ist-Daten, Nutzer-/Betriebsfeedback | Nutzenvalidierung, Abweichungsbild, Entscheidung Standardisierung/Nachsteuerung | typisiert nach 30/90/180 Tagen |
| Standardisierung und Wissenstransfer | Datenmanagement, Prozessowner, Objektleitung | validierte Maßnahme oder Lessons Learned | angepasste Standards, Dokumente, Schulungsbedarf, Knowledge-Base-Eintrag, Review-Abschluss | binnen 10 AT nach Validierungsentscheidung |
Rollen und Verantwortlichkeiten
Die Verantwortungszuordnung ist als rollenscharfer Regelprozess zu führen. FM-Vereinbarungen verlangen klar definierte Rollen und Verantwortlichkeiten; im prozessorientierten Qualitätsmanagement sind Prozessverantwortung, Kennzahlenverantwortung und Einbindung in den KVP ausdrücklich zuzuweisen. Für Lessons Learned ist zusätzlich eine aktive Führungsrolle erforderlich, damit Erkenntnisse nicht nur gesammelt, sondern mit Ressourcen, Verbindlichkeit und Umsetzungskraft in die Organisation zurückgeführt werden.
Verbindlich zu benennen sind mindestens die Auftraggeber-FM-Steuerung als Accountable Role für Prioritäten, Ziele und Eskalationen, die TTS-Objektleitung als operative Steuerungsrolle, ein KVP-/Innovationsmanager als Verfahrensowner, Gewerkefachverantwortliche als fachliche Bewertungs- und Umsetzungsträger, Service Desk und Nutzerkommunikation als Eingangskanal und Rückmeldefunktion, CAFM-/Datenmanagement für Datenqualität und Nachweisführung sowie HSE, Compliance und IT/OT/GA als verpflichtende Gatekeeper bei risikobehafteten Maßnahmen. Einkauf, Controlling und Projektmanagement sind einzubinden, sobald Beschaffung, Budgetierung, Investitionscharakter oder formale Projektabwicklung berührt sind.
RACI-Legende: R = Responsible, A = Accountable, C = Consulted, I = Informed.
| Rolle | Eingang steuern | Vorprüfung | Bewertung | Freigabe | Umsetzung steuern | Nutzenvalidierung | Wissenstransfer |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Auftraggeber-FM-Steuerung | I | C | C | A | C | A | C |
| TTS-Objektleitung | C | A | R | C | A | R | R |
| KVP-/Innovationsmanager | A/R | R | R | C | C | A/R | A/R |
| Gewerkefachverantwortliche | C | C | A/R | C | R | C | C |
| Service Desk / Nutzerkommunikation | A/R | C | I | I | I | I | C |
| CAFM-/Datenmanagement | C | C | C | I | C | R | A/R |
| HSE / Compliance / IT-OT / GA | I | C | C | C | C | C | C |
| Einkauf / Controlling / Projektmanagement | I | I | C | C/R | C | C | I |
Steuerung, Kennzahlen, Tools und Schnittstellen
Die Steuerung erfolgt kennzahlenbasiert. FM-Performance ist aus Sicht der Bedarfsorganisation und der FM-Organisation zu bewerten; für die Instandhaltung benennt DIN EN 15341 KPIs ausdrücklich als Mittel, um Effektivität, Effizienz und Nachhaltigkeit zu beurteilen und zu verbessern. Entscheidungen sind auf präzise, verlässliche Daten, definierte Verfahren der Analyse und klar zugewiesene Prozessverantwortung zu stützen.
Als Standard-KPI-Satz werden mindestens geführt: Anzahl eingegangener Ideen; Anteil qualifizierter Ideen; Triage-Durchlaufzeit; Entscheidungsdurchlaufzeit; Anteil freigegebener Maßnahmen; Umsetzungsquote; Anteil termingerecht realisierter Quick Wins; Anteil validierter Wirksamkeitsnachweise; monetäres Einsparpotenzial getrennt nach geplant, freigegeben und realisiert; Rückgang identischer Wiederholstörungen; Rückgang relevanter Ticketvolumina in der betroffenen Kategorie; Verbesserung definierter Nutzungs-, Energie- oder Verfügbarkeitskennzahlen; Anteil Lessons Learned mit dokumentierter Überführung in Standards; Pilot-zu-Standard-Quote; Dokumentations- und Schulungsquote. Als initiale Zielkorridore werden vorgeschlagen: Triage im Standardfall innerhalb von 5 bis 10 Arbeitstagen, Entscheidungszeit für Standardmaßnahmen innerhalb von 30 Arbeitstagen, Quick-Win-Umsetzungsquote von mindestens 60 % innerhalb von 90 Tagen, Wirksamkeitsnachweis- und Dokumentationsquote von 100 %, Lessons-Learned-Überführungsquote von mindestens 90 %; mengen- und budgetabhängige Zielwerte für Ideenaufkommen und Nutzenrealisierung bleiben objektspezifisch nicht spezifiziert.
Das Tool- und Schnittstellenmodell nutzt eine eindeutige Case-ID je Verbesserungsvorhaben. Service Desk und Nutzerkommunikation liefern Vorfälle, Wünsche und Rückmeldungen; CAFM führt Asset-, Raum-, Vertrags- und Maßnahmenbezüge; GLT und Monitoring liefern technische Ereignisse, Trends und Soll-Ist-Abweichungen; ERP stellt Kosten-, Bestell- und Budgetbezüge bereit; DMS oder Wissensbasis führen Vorlagen, Standards, Lessons Learned und Freigaben; Projekt- oder CR-Werkzeuge übernehmen investive, systemische oder IT/OT-/GA-bezogene Vorhaben. FM-Technologien sind als integrierter Technologie- und Datenrahmen zu verstehen; CAFM-Connect ist in Deutschland ausdrücklich als Schnittstelle für den Austausch alphanumerischer FM-Daten und Dokumente beschrieben.
Schnittstellenpflichtig sind insbesondere der Incident-to-Improvement-Übergang aus dem Service Desk, der Alarm-to-Improvement-Übergang aus GLT und Monitoring, der Audit-to-Action-Übergang aus Qualitätsgesprächen, der Project-to-Standard-Übergang aus Übergaben und Pilotierungen sowie der Cost-to-Benefit-Abgleich über ERP und Berichtswesen. Jede Schnittstelle benötigt ein gemeinsames Pflichtfeldset mit Case-ID, Asset-/Prozessbezug, Kategorie, Freigabestatus, KPI-Baseline, Budgetquelle, Dokumentationsstand und Lessons-Learned-Status.
Governance und Freigaben
Für Verbesserungen und Innovationen gilt eine mehrstufige Governance. Standardverbesserungen ohne Eingriff in Sicherheitsfunktionen, genehmigungsrelevante Betriebsweisen, IT/OT-/GA-Architekturen, Betriebsunterbrechungen oder Beschaffungs-/Investitionscharakter werden innerhalb der vereinbarten Wertgrenzen als Regelprozess freigegeben. Innovations- oder Pilotmaßnahmen mit begrenztem Versuchscharakter benötigen zusätzlich Pilotauftrag, Baseline, Abbruchkriterien, Rückfallplan und definierten Verantwortlichen. Maßnahmen mit Auswirkungen auf Sicherheit, Compliance, validierte Betriebsparameter, Datenintegrität, Lieferantenstruktur, Vertragsumfang, Abschaltfenster, CAPEX oder Systemarchitektur gehen in einen erweiterten Freigabepfad.
Die Freigabe erfolgt nach Pflicht-Gates. Das erste Gate prüft Vollständigkeit, Dublettenfreiheit und fachliche Zuständigkeit. Das zweite Gate prüft Sicherheits-, Compliance- und Betreiberpflichtenwirkung. Das dritte Gate prüft Daten-, Dokumentations- und Schnittstellenfolgen. Das vierte Gate prüft Kosten, Budgetart, Vergabe- oder Beschaffungsbedarf und Nutzenannahme. Das fünfte Gate entscheidet über Umsetzungsweg, Pilotnotwendigkeit und Eskalationsstufe. Für digital oder technisch kritische Änderungen ist ein kontrolliertes Änderungsmanagement erforderlich; Erkenntnisse aus Vorfällen sind anschließend verbindlich in Prozesse, Schulungen und Technik umzusetzen.
Die Entscheidungswege sind defaultmäßig in drei Ebenen zu führen. Ebene eins umfasst lokale Standardmaßnahmen innerhalb nicht spezifizierter Wertgrenzen. Ebene zwei umfasst fachbereichsübergreifende oder pilotpflichtige Maßnahmen mit zeitlich befristeter Freigabe. Ebene drei umfasst investive, genehmigungs-, sicherheits-, IT/OT-/GA- oder vertragsrelevante Maßnahmen mit retained Entscheidung. Numerische Budget- und Investitionsgrenzen, Freigabequoren, Zeichnungsrechte, Boardzusammensetzung und Eskalationsschwellen sind in den Auftraggeberunterlagen zu konkretisieren; bis dahin bleiben sie nicht spezifiziert.
Dokumentation und Reporting
Die Dokumentation erfolgt standardisiert, revisionsfähig und systemübergreifend referenzierbar. Für jede Maßnahme sind mindestens eine Ideenvorlage, eine Bewertungsmatrix, ein Freigabeblatt, bei Pilotierungen ein Pilotsteckbrief, bei Umsetzungen ein Maßnahmenblatt und bei Erkenntnisrückfluss ein Lessons-Learned-Blatt zu führen. Varianten von A3-, One-Page- oder 8D-Formaten sind zulässig, sofern Pflichtinhalte vollständig erhalten bleiben. Die Ideenvorlage enthält mindestens Problem- oder Chancenbeschreibung, Auslöser, Asset-/Prozessbezug, Ist-Zustand, Datenbasis, Ursache, Vorschlag, Nutzenannahme, Risiko, OPEX-/CAPEX-Bezug, erforderliche Mitzeichnungen und vorgeschlagenen Umsetzungsweg. Die Bewertungsmatrix enthält gewichtete Kriterien, Scoringschema, Freitextbegründung und Entscheidungsempfehlung. Das Lessons-Learned-Template enthält Anlass, Kontext, Abweichung oder Erfolg, Ursachen, wirksame und unwirksame Maßnahmen, Transferziel, betroffene Dokumente oder Systeme, Verantwortlichen und Termin der Rückführung.
Das Reporting wird in drei Takten geführt. Wöchentlich wird ein operatives KVP-Board mit Neuaufnahmen, Überfälligkeiten, Quick-Wins, Eskalationen und Umsetzungshemmnissen geführt. Monatlich erfolgt ein Portfolio-Review mit KPI, Budgetwirkung, Pilotstatus, Nutzenvalidierung und Umsetzungsquote. Quartalsweise erfolgt ein Innovations- und Lessons-Learned-Review mit Fokus auf Skalierung, Standardisierung, systemische Risiken, Budgetbedarf und Anpassung von Prozessen, Standards und Schulungen. Zusätzlich sind anlassbezogene After-Action-Reviews nach größeren Störungen, Projekten, Übungen, Betriebsanläufen oder Pilotabbrüchen verbindlich durchzuführen; Lessons Learned müssen früh, kontinuierlich und strukturiert erhoben und mit Managementunterstützung in die Praxis überführt werden.
Jede abgeschlossene Maßnahme endet mit einer von drei Entscheidungen: Standardisierung, Nachsteuerung oder Beendigung ohne Standardübernahme. Standardisierung setzt aktualisierte Prozessdokumente, Systemparameter, Vorlagen, Schulungsunterlagen und Knowledge-Base-Einträge voraus. Nachsteuerung erzeugt einen neuen Maßnahmenlauf mit bereits dokumentierter Historie. Beendigung ohne Standardübernahme ist nur mit dokumentiertem Grund zulässig. Erkenntnisse aus Vorfällen und Pilotierungen werden für vergleichbare Objekte, Gewerke oder Prozesse in einem Referenzregister durchsuchbar gehalten; für IT/OT-/GA-nahe Themen ist die Rückführung in Prozesse, Schulungen und Technik verpflichtend.
Angaben, die im Zuge der Ausschreibung noch zu präzisieren sind
die namentliche Benennung der accountable Rollen, ihrer Stellvertretungen und ihrer Zeichnungsrechte
die numerischen Wertgrenzen für Standardverbesserungen, Pilotfreigaben, investive Maßnahmen und Eskalationen; derzeit nicht spezifiziert
die Boardstruktur einschließlich Taktung, Teilnehmerkreis, Quorum, Beschlusssystematik und Protokollstandard
die verbindliche Kategorielogik für KVP-, Innovations-, Pilot-, Projekt- und Lessons-Learned-Fälle
die Gewichte und Grenzwerte der Bewertungsmatrix sowie Ausschlusskriterien und Muss-Gates
die führenden Systeme je Datenobjekt und die technische Schnittstellenrealisierung zwischen Service Desk, CAFM, GLT, Monitoring, ERP, DMS und BI
die Pflichtfelder der Idea-ID, die Taxonomie der Maßnahmenarten und die Referenzierung auf Assets, Räume, Kostenstellen und Verträge
die Baseline- und Wirksamkeitslogik einschließlich Standard-Validierungszeiträumen, Nachweisformen und Freigabekriterien
die Budgetierungs- und Buchungslogik für OPEX-, CAPEX- und Mischmaßnahmen sowie die Business-Case-Vorlage
die Pilotregeln für Testdauer, Testbereich, Abbruchkriterien, Rückfallverfahren, Kommunikationspflichten und Datenschutz-/IT-Sicherheitsprüfung
die Reportingempfänger, Standard-Dashboards, Eskalationsberichte und Mindestinhalte der Monats- und Quartalsreviews
die Struktur der Wissensbasis, Freigaberegeln für Lessons Learned, Geheimhaltungsstufen und Such-/Archivlogik
die verbindliche Verknüpfung mit Change-Request-Management, KPI-Katalog, SLA-/XLA-Katalog, Qualitätsgesprächen, Berichtswesen und Dokumentationsstruktur
die Zielwerte für ideen- und volumenabhängige Kennzahlen, insbesondere Ideenaufkommen, monetäres Einsparziel und standortbezogene Skalierungsquoten; derzeit nicht spezifiziert
