Fluidmanagement als gewerkeübergreifende Verantwortung im TFM
Fluidmanagement umfasst im industriellen Technischen Facility Management die systematische Steuerung von Betriebs-, Bearbeitungs- und Versorgungsmedien. Besondere Bedeutung besitzen Kühlschmierstoffe und andere Bearbeitungsmedien, je nach Standort können jedoch auch Schmieröle, Hydraulikmedien, Temperierflüssigkeiten oder weitere technisch relevante Fluide in die Verantwortungsstruktur einbezogen werden.
Der Gewerkeverantwortliche Fluidmanagement sorgt dafür, dass Anforderungen aus Produktion, Technik, Arbeitsschutz, Umwelt, Instandhaltung und Wirtschaftlichkeit zu einem beherrschbaren Betriebssystem zusammengeführt werden. Die DGUV Regel 109-003 behandelt Tätigkeiten mit Kühlschmierstoffen und anderen Bearbeitungsmedien einschließlich der zugehörigen Einrichtungen und unterstützt insbesondere die Gefährdungsbeurteilung.
Die Rolle sollte nicht auf das Nachfüllen oder Analysieren von Kühlschmierstoffen reduziert werden. Zu ihren wesentlichen Steuerungsaufgaben können gehören:
Definition zugelassener Fluide und Einsatzbereiche,
technische Spezifikation und Freigabe von Produkten,
Überwachung von Konzentration und Gebrauchszustand,
Organisation von Probenahmen und Laboranalysen,
Steuerung von Pflege- und Aufbereitungsmaßnahmen,
Koordination von Lieferanten und Fluidmanagement-Dienstleistern,
Bewertung von Verbrauch und Standzeiten,
Umgang mit Leckagen und Verunreinigungen,
Organisation von Wechsel, Rücknahme und Entsorgung,
Unterstützung von Gefährdungsbeurteilungen,
Dokumentation und KPI-Auswertung.
Die Richtlinienreihe VDI 3397 schafft hierfür einen wichtigen technischen Bezugsrahmen. VDI 3397 Blatt 1 behandelt Anforderungen und Auswahl von Bearbeitungsmedien; Blatt 2 beschreibt deren Pflege und Maßnahmen zur Qualitätserhaltung. VDI 3397 Blatt 4 behandelt speziell die Mikrobiologie wassergemischter Kühlschmierstoffe.
Qualität, Arbeitsschutz und Produktionsfähigkeit verbinden
Steuerungsfeld
Typische Fragestellung
Fluidqualität
Entspricht das Medium noch dem definierten Betriebsfenster?
Produktion
Werden Werkzeugstandzeit und Bearbeitungsqualität erreicht?
Gesundheitsschutz
Sind Expositionen und Hautkontakte angemessen beherrscht?
Mikrobiologie
Bestehen Auffälligkeiten oder erhöhter Pflegebedarf?
Anlagenzustand
Sind Filter, Pumpen und Aufbereitung funktionsfähig?
Umwelt
Werden Abfälle, Leckagen und Entsorgung kontrolliert?
Wirtschaftlichkeit
Sind Verbrauch, Standzeit und Pflegekosten angemessen?
Gerade bei wassergemischten Kühlschmierstoffen bestehen besondere Anforderungen an Auswahl, Verwendung und Überwachung. Die TRGS 611 behandelt Verwendungsbeschränkungen für wassermischbare beziehungsweise wassergemischte Kühlschmierstoffe, bei deren Einsatz N-Nitrosamine auftreten können.
Betriebsgrenzen und Eskalationswerte festlegen
Professionelles Fluidmanagement benötigt definierte Soll-, Warn- und Eingriffsbereiche. Abhängig vom jeweiligen Medium können beispielsweise überwacht werden:
Konzentration,
pH-Wert,
Temperatur,
Leitfähigkeit,
Nitritgehalt,
mikrobiologische Auffälligkeiten,
Fremdölanteil,
Verbrauch und Nachfüllmenge.
Messwerte allein erzeugen jedoch noch keine Steuerung. Für relevante Parameter muss feststehen:
Fluidmanagement liegt häufig zwischen Produktion und Facility Management. Die Produktion beeinflusst das Medium durch Maschinenbetrieb und Bearbeitungsprozesse; TFM und Instandhaltung betreiben möglicherweise zentrale Versorgung, Filterung und Aufbereitung; HSE bewertet Gefährdungen und der Einkauf steuert Produkt- und Lieferantenverträge.
Der Gewerkeverantwortliche benötigt deshalb eine klare RACI- und Schnittstellenstruktur. Insbesondere müssen Produktfreigaben, Prozessänderungen, Anlagenstörungen und außerplanmäßige Fluidwechsel eindeutig entschieden werden.
Geeignete KPI sind beispielsweise:
Fluidverbrauch je Produktionsmenge,
durchschnittliche Standzeit,
Anzahl außerplanmäßiger Wechsel,
Anteil Messwerte außerhalb des Sollbereichs,
Kosten für Pflege und Entsorgung,
Störungen der Fluidversorgung.
Fluidmanagement folgt damit einem geschlossenen Regelkreis:
Der Gewerkeverantwortliche Fluidmanagement schafft dadurch die Verbindung zwischen Produktionsfähigkeit, Gesundheitsschutz, Anlagenverfügbarkeit, Umweltanforderungen und Wirtschaftlichkeit und macht aus einzelnen Fluidleistungen einen systematisch steuerbaren Bestandteil des Technischen Facility Managements.