Technische Anlagen vor Ort systematisch beobachten
Gebäudeautomation, Sensorik und CAFM schaffen eine immer bessere digitale Transparenz über technische Anlagen. Dennoch kann nicht jeder relevante Anlagenzustand automatisch erkannt werden. Leckagen, ungewöhnliche Geräusche, Gerüche, Vibrationen, lose Bauteile, Verschmutzungen oder Veränderungen des Anlagenumfelds werden von technischen Überwachungssystemen häufig nur mittelbar oder überhaupt nicht erfasst.
Technische Betriebsrundgänge ergänzen deshalb digitale Überwachung und geplante Instandhaltung. Sie gehören zur operativen Wahrnehmung der technischen Betreiberaufgabe. Die bestehende TFM-Prozesslandschaft sieht den Anlagenbetrieb als eigenständigen Kernprozess; Betriebsrundgänge können diesen Prozess wesentlich konkretisieren.
Technische Betriebsrundgänge systematisch planen und dokumentieren
Kontrollgänge benötigen eine fachliche Zielsetzung
Ein Rundgang sollte nicht darin bestehen, Technikräume nach Gewohnheit zu besuchen und anschließend eine allgemeine Checkliste abzuhaken.
Für jeden Rundgang sollte festgelegt sein, welche Anlagen und Bereiche betrachtet werden und auf welche Veränderungen zu achten ist.
Bei einer Pumpengruppe können beispielsweise Betriebsgeräusch, Leckagefreiheit, Druck, Temperatur und Betriebsanzeige relevant sein. Bei elektrischen Betriebsräumen können Zugänglichkeit, sichtbare Beschädigungen, ungewöhnliche Erwärmungen oder nicht zulässige Lagerungen im Vordergrund stehen.
Kontrollfrequenzen risikobasiert bestimmen
Nicht jeder Anlagenbereich benötigt einen täglichen Rundgang.
Die erforderliche Häufigkeit sollte sich insbesondere nach Anlagenkritikalität, Automatisierungsgrad, Störungshistorie, Alter und möglichen Schadensfolgen richten.
Eine hochautomatisierte, gut überwachte Anlage kann möglicherweise seltener vor Ort kontrolliert werden als eine ältere technische Zentrale mit begrenzter Sensorik.
Damit lassen sich personelle Ressourcen gezielt auf diejenigen Bereiche konzentrieren, in denen menschliche Wahrnehmung tatsächlich einen Mehrwert schafft.
Veränderungen statt nur Fehler erkennen
Der besondere Nutzen eines Betriebsrundgangs liegt häufig darin, frühe Veränderungen wahrzunehmen.
Eine geringfügige Undichtigkeit, zunehmende Laufgeräusche, ungewöhnliche Gerüche oder wiederkehrende kleine Wasseransammlungen sind möglicherweise noch keine Störung. Sie können jedoch auf einen entstehenden Schaden hinweisen.
Ein guter Kontrollprozess ermöglicht deshalb auch die Erfassung von Beobachtungen, die zunächst weiter überwacht werden sollen.
Feststellungen unmittelbar weiterbearbeiten
Festgestellte Abweichungen sollten direkt in den technischen Arbeitsprozess überführt werden.
Je nach Bedeutung kann daraus eine Sofortmaßnahme, ein CAFM-Ticket, eine Inspektion, ein Instandsetzungsauftrag oder eine Eskalation entstehen.
Damit wird der Rundgang nicht zu einer isolierten Dokumentationsaufgabe, sondern Teil des Instandhaltungsprozesses.
Auch Technikräume selbst kontrollieren
Der Anlagenbetrieb hängt auch von geeigneten Umgebungsbedingungen ab. Versperrte Zugänge, offene Schaltschränke, nicht zulässige Lagerungen, beschädigte Kennzeichnungen oder schlechte Sauberkeit können Sicherheit und Wartbarkeit beeinträchtigen.
Technikraumzustand sollte deshalb Bestandteil der Rundgangssystematik sein.
Rundgänge kontinuierlich weiterentwickeln
Routen und Kontrollpunkte sollten regelmäßig überprüft werden. Neue Anlagen, geänderte Nutzungen, zusätzliche Sensorik oder Erkenntnisse aus Störungen können Anpassungen erforderlich machen.
Digitale Technik und menschliche Wahrnehmung verbinden
Technische Betriebsrundgänge stehen nicht im Gegensatz zu Digitalisierung. Sie schließen vielmehr diejenigen Informationslücken, die digitale Systeme nicht vollständig erfassen.
Professionell organisiert verbinden sie Wahrnehmen, Bewerten, Dokumentieren und Handeln. Damit unterstützen sie eine vorausschauende technische Betriebsführung und helfen, aus kleinen Auffälligkeiten möglichst keine großen Störungen werden zu lassen.